Stellungnahmen und offene Briefe 2021-2023
Unsere Stellungnahme zum Beitragsfreiheitsgesetz
April 2023
14. März 2023
Sehr geehrte Frau Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger,
die Kita-Fachkräfteverbände verschiedener Bundesländer begrüßen Ihr Vorhaben, ein „Team Bildung“ ins Leben zu rufen, an dem die verschiedenen Akteure der Verantwortungsgemeinschaft des Bildungssystems teilnehmen. Die Bildungsbiografie beginnt in der Kita. Die Grundlagen werden in den ersten Lebensjahren gelegt. In der frühkindlichen Bildung kann vieles unterstützt, begleitet und gefördert, aber auch versäumt werden. Weder Wissenschaft noch Fachpraxis halten die Rahmenbedingungen in unseren Kitas für kindgerecht. Kein Bundesland erfüllt die fachlichen Anforderungen in Bezug auf personelle und oft auch räumliche Ausstattung. Der immer massiver werdende Fachkräftemangel tut sein Übriges, dass unser Kita-System kollabiert.
Die Mitglieder der Kita-Fachkräfteverbände engagieren sich ehrenamtlich neben ihrer Arbeit in den Kitas für eine kindgerechte Kita-Qualität. Die Verbände der einzelnen Bundesländer arbeiten selbständig, sind aber länderübergreifend in einer Kooperation vernetzt. Wir können daher für Ihr „Team Bildung“ Personen aus unseren Vorständen beauftragen, die dann die Interessen aller Kita-Fachkräfteverbände in diesem Gremium vertreten.
Unsere Forderungen haben wir nach der Bundestagswahl 2021 in einem Positionspapier zusammengefasst, das auch Ihrem Ministerium vorliegt.
Als Experten und Expertinnen des Kita-Alltags möchten wir in Ihr „Team Bildung“ mit einbezogen werden und die Perspektive der Kita-Fachkräfte in den Diskurs einbringen
Gemeinsamer Brief der Kita-Fachkräfteverbände an Bundesfamilienministerin Paus
24. August 2022
Sehr geehrte Bundesfamilienministerin Paus,
die Kita-Fachkräfteverbände der Bundesländer begrüßen ihre Pläne für ein Kita-Qualitätsgesetz, das an die Bemühungen des "Gute-Kita-Gesetz" anknüpft.
Laut aktuellem Ländermonitor der Bertelsmannstiftung haben fast 73% aller deutschen Kita-Kinder keinen kinngerechten Personalschlüssel in ihrer Einrichtung.
Es geht daher nicht um die Verbesserung eines akzeptablen Niveaus, sondern um die Etablierung kindgerechter Rahmenbedingungen.
Im Vertrag zum "Gute-Kita-Gesetz" der Bundesländer mit dem Bund werden Schwellenwerte für altersspezifische Fachkraft-Kind-Schlüssel hergeleitet, unterhalb derer die Gefahr besteht, dass die pädagogische Qualität leidet und die Bedürfnisse der Kinder nicht mehr angemessen berücksichtigt werden können.
Diese Schwellenwerte sollen den Ländern als Orientierung bei der Gestaltung des Fachkraft-Kind-Schlüssels dienen.
Genannt werden für Kinder von:
- 0-1 Jahren: eine Fachkraft für 2 Kinder
- 1-3 Jahren: eine Fachkraft für 3-4 Kinder
- 3-6 Jahre: eine Fachkraft für 9 Kinder
Daneben gibt es wissenschaftliche Mindestanforderungen an eine gute Kita-Qualität (siehe Bertelsmann Ländermonitor).
Kein Bundesland hat trotz der Gelder aus dem "Gute-Kita-Gesetz" die Schwellenwerte für den Fachkraft-Kind-Schlüssel flächendeckend umgesetzt.
In den meisten Bundesländern werden Kindergartenkinder mit Betreuungsschlüsseln betreut, die weit unterhalb dieser Werte liegen. [...]
Das Kita-System ist überlastet. Schlechte Arbeit- und Rahmenbedingungen verschärfen seit Jahren den immer weiter zunehmenden Fachkräftemangel. Es finden sich nicht genug junge Leute, die in der Kita arbeiten wollen und altgediente Kräfte verlassen resigniert das Arbeitsfeld.
Gute frühkindliche Bildung und bedürfnisorientierte Betreuung sind unter diesen Bedingungen nur eingeschränkt leistbar.
Ein Kita-Qualitäts-Gesetz, das seinem Namen gerecht wird, muss daher den Schwerpunkt auf kinngerechte Betreuungsschlüssel legen. Langfristig wird man dem Fachkräftemangel nur begegnen können, wenn die Arbeitsbedingungen gewährleisten, dass Kita-Fachkräfte ihren Anforderungen und Aufgaben gerecht werden können. [...]
Die Kita-Fachkräfteverbände plädieren dafür, dass die Länder erst dann für weitere Handlungsfelder Geld bekommen, wenn sie die Schwellenwerte einer kinngerechten Personalisierung umsetzen.
Ist dieses Ziel erreicht, sind zur Verbesserung der pädagogischen Qualität insbesondere auch die Handlungsfelder Gewinnung und Sicherung qualifizierter Fachkräfte, Stärkung der Leitung und Verbesserung der räumlichen Gestaltung wichtig.
Bevor Geld des Bundes in das Handlungsfeld Beitragsfreiheit fließt, muss es zuerst um eine pädagogische Qualität nach den wissenschaftlichen Mindestanforderungen gehen.
Die Bertelsmann-Stiftung hat ausgerechnet, dass zur Etablierung kinngerechter Personalschlüssel und angemessener Leitungszeiten jährlich 6 Milliarden Euro nötig sind.
Die Mittel des Bundes müssen dauerhaft zur Verfügung gestellt werden, um langfristig Qualität zu verbessern und zu sichern.
Mit freundlichen Grüßen,
die Kita-Fachkräfteverbände in Deutschland
Tarifrunde 2022 im Sozial- und Erziehungsdienst: Antwort der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände
Der Verband der kommunalen Arbeitgeber hat auf unser Schreiben geantwortet. Leider wird auf unsere Argumente kaum eingegangen. Es wird uns beigepflichtet, dass frühkindliche Bildung und gute Betreuung sehr wichtig sind. Trotzdem wird keine Notwendigkeit gesehen, sich für einen kindgerechten Kita-Alltag nach fachlichen Mindestanforderungen zu engagieren. Es werden die Kostensteigerungen der letzten Jahre vorgerechnet, die allein dem quantitativen Ausbau der Kita-Betreuung und auch den gestiegenen Erziehergehältern geschuldet sind. Dass unsere Kitas zu Verwahranstalten verkommen, in denen gute frühkindliche Bildung, Förderung und bedürfnisorientierte Betreuung nur noch rudimentär möglich sind, wird von den kommunalen Arbeitgebern ignoriert. Das Antwortschreiben geht mit keinem Wort auf ein zentrales Anliegen der Kita-Fachkräfteverbände ein, nämlich die dringend benötigten Vor- und Nachbereitungszeiten, die außerhalb der unmittelbaren Betreuungszeiten liegen müssen!
Das Schreiben betont, „dass Erzieherinnen und Erzieher qualitativ hochwertige Arbeit leisten, die eine große Bedeutung für die frühkindliche Bildung hat.“ Viele Erzieher*innen können dem mittlerweile nicht mehr beipflichten. Sie wollen qualitativ hochwertige Arbeit leisten, was unter den aktuellen Rahmenbedingungen aber kaum möglich ist. Verbindliche Verfügungszeiten wären ein Schritt hin zu mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung. Wir hoffen inständig, dass die kommunalen Arbeitgeber in der kommenden Verhandlungsrunde ein Einsehen haben, dass dem quantitativen Ausbau der letzten Jahre qualitative Verbesserungen folgen müssen.
Begrüßungsschreiben an die Bundesfamilienministerin Spiegel
9. Dezember 2021
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Spiegel,
im letzten Jahr haben sich in verschiedenen Bundesländern Kita-Fachkräfteverbände gegründet, die sich für kindgerechte Rahmenbedingungen engagieren. Wir möchten Ihnen herzlich zu Ihrem Amt als Bundesfamilienministerin gratulieren und wünschen Ihnen für Ihre Arbeit alles Gute.
Mit Interesse haben wir die Pläne der Ampelkoalition für die frühkindliche Bildung zur Kenntnis genommen. Laut aktueller Veröffentlichung des Ländermonitors der frühkindlichen Bildungssysteme (Bertelsmann Stiftung) haben 73% aller Kita-Kinder in Deutschland keine kindgerechten Bedingungen ihrer Einrichtung. Fachleute aus Wissenschaft und Fachpraxis bemängeln seit Jahren die nicht kindgerechte Qualität in unseren Kitas und weisen regelmäßig auf Mindestanforderungen für kindgerechte Personalschlüssel und Gruppengrößen hin. Kein Bundesland erfüllt diese Mindeststandards, auch wenn es in einigen Ländern noch schlechter aussieht als in anderen.
Dazu kommt ein seit Jahren zunehmender Fachkräftemangel. Daher begrüßen die Kita-Fachkräfteverbände ausdrücklich die von Ihnen angedachte Reform der Erzieher*innenausbildung hin zu einer praxisintegrierten, vergüteten Ausbildung. Auch ein Bundesqualitätsgesetz, das Betreuungsschlüssel nach den Mindeststandards der Fachleute an eine gute pädagogische Qualität vorsieht, ist in unserem Sinne. Kinderbetreuung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ein gleichberechtigtes modernes Arbeits- und Familienleben ist nur mit einer verlässlichen Kinderbetreuung möglich.
Weil Kinder die Zukunft unserer Gesellschaft sind, müssen alle gemeinsam dafür sorgen, dass Kitas Lebensorte werden, die Chancengleichheit, gute Entwicklungsmöglichkeiten und hohe frühkindliche Bildungsqualität gewährleisten. Wir freuen uns, dass Sie auch den Bund in der Verantwortung für eine gute frühkindliche Bildung sehen und hoffen, dass unsere Kinder in Zukunft bessere Bedingungen in ihren Einrichtungen vorfinden werden. In unseren Verbänden organisieren sich vor allem Fachkräfte, die in der täglichen Kita-Praxis stehen.
Als Ansprechpartner*innen stehen wir Ihnen und Ihrem Ministerium gern zur Verfügung. Wir wünschen uns, dass nicht für Kitas und Fachkräfte Politik gemacht wird, sondern mit den Einrichtungen und den Kita-Fachkräften. Über ein persönliches Gespräch zur Situation der Kita-Fachkräfte würde wir uns freuen.
i. V. Für die Kita-Fachkräfteverbände in Deutschland
die Pressegruppe der Fachkräfteverbändez
Achtung: Testzentrum Kita! -Bildung muss leider draußen bleiben!
Zum Artikel: Test-Lücke für Vorschul-Kinder
Die Kita-Fachkräfte schlagen Alarm!
Schon jetzt stöhnen die Kitas: volle Öffnungszeiten, Hygieneauflagen, Trennung von Gruppen, besondere Essens- und Schlafsituationen, immer mehr Bestimmungen und Auflagen.
Für die eigentliche Arbeit mit Kindern wird die Zeit immer weniger.
Das Corona-Regel-Regime wie es ab 01.11. in Kitas umgesetzt werden soll, während in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens die Maßnahmen zurückgefahren werden, stößt bei vielen Fachkräften auf großes Unverständnis!
Wieso müssen wir immer noch Gruppen trennen, wenn Kinder in Turnvereinen zusammen spielen oder Martinsumzüge mit unbegrenzter Anzahl stattfinden dürfen?
Frau Bachmann unterliegt offensichtlich einer Machbarkeitsillusion, wenn Sie annimmt, dass Testzentren im öffentlichen Raum geschlossen werden können, damit sie dann in Kitas eröffnet werden.
Hintergrund: In einer Mail vom 15.10. wurden die Kitas und Träger angeschrieben, dass ab dem 01.11. auch in Kitas getestet werden soll. Mit diesem Testregime, welches nun in Kitas durchgeführt werden soll, wird klar, dass Frau Bachmann offensichtlich über die Aufgaben die Fachkräfte Tag für Tag in Kitas leisten, nicht viel weiß.
Sowohl Elternvertreter, wie auch Trägervertreter und auch der Verband der Kita-Fachkräfte Saar haben im Vorfeld eindringlich davor gewarnt, diese Aufgabe Kitas aufzubürden. Doch diese Bedenken wurden zum großen Teil ignoriert.
Schon jetzt müssen Fachkräfte zahlreiche Hygiene-Aufgaben außerhalb ihrer eigentlichen Kernaufgaben durchführen.
Hinzu kommen beispielsweise:
Concierge-Lösung: Die Eltern sollen die Kitas nicht betreten, sie müssen klingeln und eine Fachkraft holt das Kind an der Tür ab und bringt es nachmittags auch wieder fertig angezogen zur Tür!
Gruppentrennungen: Dies bedeutet, dass beispielsweise in Randzeiten mehr Personal vorhanden sein muss, damit diese Auflage erfüllt werden kann. Man hat dies zwar nun etwas gelockert, indem nun 2 oder 3 Gruppen zusammengefasst werden können, aber dies hebt den immer noch bestehenden Mehraufwand in keiner Weise auf.
Schwierig, wenn bei 10 Stunden Öffnungszeit 7:00 – 17:00 Uhr eine Gruppe nur mit einer Person (7:48 Tagesarbeitsstunden bei Vollzeit )besetzt ist, weil die Kollegin beispielsweise krank ist oder Urlaub hat und eine andere Kollegin aber nur 3:54 Std. mitarbeitet.
Eine Fachkraft kann nicht gleichzeitig Kinder entgegennehmen, Kinder beim Frühstück begleiten und parallel noch die Restgruppe beaufsichtigen, von Begleitung auf Toilette, Windeln, Schlafen ganz abgesehen! Spielen? Lernen? Dies bedeutet, dass ein Teil der Kindergruppe ständig unbeaufsichtigt ist, Kinder sich selbst überlassen werden, der Stresspegel für die Fachkräfte ständig steigt, weil sie wissen, dass sie so ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen und vor allem den Kindern nicht gerecht werden können.
Durch die Empfehlungen zur Gruppentrennung sind Synergieeffekte zwischen den Gruppen nur eingeschränkt möglich.
Viel zu lange wurde der zu niedrige Fachkraft-Kind Schlüssel ignoriert, genauso wie der Fachkräftemangel.
Die Kitas waren schon vor Corona am Anschlag und nun kommen durch die Corona-Auflagen immer mehr fachfremde Aufgaben auf die Fachkräfte zu!
Wenn Kitas vom Ministerium von Frau Bachmann nur noch zu Aufbewahrungsstätten und Testzentren degradiert werden, muss man sich nicht wundern, dass Fachkräften die Zeit mit den Kindern fehlt. Zeit für Bedürfnisse der Kinder, für ihre Entwicklung, Zeit um ihnen Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln, Zeit um ihnen in Ruhe ein Buch vorzulesen, Zeit um für sie da zu sein, um sie zu begleiten und zu unterstützen. Dies sind die eigentlichen Aufgaben der Fachkräfte!
Die Testung auf Corona gehört definitiv nicht dazu!
Der Verband der Kita- Fachkräfte kann nicht nachvollziehen, wieso hier ganz offensichtlich von Seiten des Ministeriums, Eltern Misstrauen entgegengebracht wird. Geradezu lächerlich mutet es an, dass nun ausgerechnet den Kitas die Lolli-Tests vom Ministerium zu Verfügung gestellt werden, die keine Laienzulassung mehr haben, obwohl diese Tests in der Handhabung einfacher sind. Eltern werden für zu Hause nur Nasaltests zu Verfügung gestellt, die bislang nur unter Aufsicht von Personen durchgeführt werden durften, die dafür geschult waren.
Offensichtlich sollen so für Eltern zusätzliche Hürden aufgebaut werden, damit in den Kitas das gewünschte Testregime erfolgen kann.
Dazu passt auch die Aussage des Ministeriums in dem am Samstag veröffentlichten Zeitungsartikel: „Testlücke für Vorschul-Kinder“. Hier soll offensichtlich zusätzlich Druck über die Eltern auf die Kitas ausgeübt werden, indem jetzt auch noch Test-Zertifikate für Kinder ausgestellt werden müssen. Hiervon war allerdings im Schreiben am 15.10. an Träger und Kitas nie die Rede!
In anderen Bundesländern, gibt es Lolli-Tests mit Laienzulassung. Wieso hat man nicht diese eingekauft oder bestellt? Im Gegensatz zu Schulen, in denen medizinisches Fachpersonal für Testungen zu Verfügung steht, sollen in den Kitas lediglich Unterstützungskräfte zur Verfügung stehen. Die Träger und Kitas müssen sich selbst darum kümmern. Die Organisation bleibt den Leitungen überlassen. Ein finanzieller Ausgleich für die Tests und die zusätzlichen Materialien, wie sie Apotheken und Ärzte bekommen, ist auch nicht vorgesehen.
Das Gesundheitsministerium forciert in seinen Schreiben bewusst die Testung in Kitas durch die Fachkräfte, die lediglich durch das verlinkte Video geschult werden. Auch Eltern sind in der Lage sich ein Video anzuschauen.
Klar ist, dass die Testungen in Kitas mit der im Video beschriebenen Vorgehensweise nicht umzusetzen sind, weder zeitlich, noch räumlich noch personell.
Die Verantwortung für das Testregime wird den Fachkräften vom Ministerium dennoch aufgebürdet!
Durch das Ausstellen der Zertifikate würden die Fachkräfte nun auch noch die Verantwortung für die Sicherheit der Menschen in den Veranstaltungen übernehmen, die die Kinder mit diesem Zertifikat besuchen dürfen. Inwieweit dies mit dem Arbeitsrecht zu vereinbaren ist, wird zu klären sein.
Auch Personalräte sind aufgerufen hier ihre Belegschaften zu schützen. Die Arbeitsplatzbeschreibungen von Kita-Personal sehen diese Aufgaben mit Sicherheit nicht vor.
Vielen Fachkräften schnürt es mittlerweile die Kehle zu, immer mehr überlegen auszusteigen aus ihrem Beruf und damit aus diesem Hamsterrad der frühkindlichen Ignoranz und der Beratungs- Resistenz von Politikern*innen.
Brief an die saarländische Landesregierung und die Bundespressestelle der Kanzlerin
zur Umsetzung des neuen Infektionsschutzgesetzes im Saarland ab dem 26.4.2021
Mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes tritt ab Samstag eine bundeseinheitliche „Notbremse“ in Kraft.
Dieses Gesetz soll mit dazu beitragen, Kontakte zu reduzieren und das Infektionsgeschehen einzudämmen.
Unter anderem ist darin vorgesehen, dass in Kindertageseinrichtungen ab einer Inzidenz von 165 der Regelbetrieb untersagt wird. Stattdessen kann ein Notbetrieb etabliert werden.
Mit der Maßnahme des Regionalverbandes Saarbrücken, es lediglich bei einem Appell an die Eltern zu belassen, ihr Kind zu Hause zu betreuen, wird unseres Erachtens dieses Bundes-Gesetz unterwandert und ausgehöhlt.
Es ist zu befürchten, dass es zu einer sehr hohen Auslastung in den Kitas kommen wird. Ein Schutz von Kindern und Kita-Fachkräften kann so nicht gewährleistet, Kontakte nicht reduziert und das Infektionsgeschehen so zumindest nicht bei Kindern bis 6 Jahren eingedämmt werden.
Wir sehen hier das Wohl von Kindern und Kita-Fachkräften gefährdet!
Aus diesem Grund fordern wir für den Fall des Notbetriebes klare und transparente Regeln, die von Kita-Fachkräften umsetzbar sind und Eltern Orientierung bieten.
Klare Definition für den Anspruch auf Notbetreuung:
- Beide Eltern arbeiten in systemrelevanten Berufen und/oder sind unabkömmlich. Der Arbeitgeber muss dies bescheinigen. Ein Antrag für die Notbetreuung muss bei der Kommune gestellt und von dieser bewilligt werden. Analog hierzu ist natürlich auch Alleinerziehenden eine Notbetreuung anzubieten.
- Bei Kindeswohlgefährdung und bei Familien mit einem Nachweis über sonstige schwerwiegende Gründe, ist ebenfalls eine Notbetreuung zu gewährleisten.
Auszugehen ist hier von einer angepassten Quadratmeterzahl, im Innenraum, pro Kind von max. 5 Kindern pro Gruppe. Dies wurde am 30.11.2020 vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie so per Mail an alle Saarländischen Kindertageseinrichtungen als Handlungsempfehlung versendet.
Des Weiteren halten wir eine Teststrategie für Kitakinder, beispielsweise eine Pooltestung mit Spucktests für geeignet, damit das Infektionsgeschehen überhaupt erfasst werden kann.
Lediglich einen Appell an die Eltern zu richten und die Kita-Fachkräfte vor Ort damit alleine zu lassen, halten wir nicht nur für unmoralisch, sondern auch für nicht vereinbar mit dem jetzigen Infektionsschutzgesetz.
Unsere Reaktion auf das Antwortschreiben des VKA (eine Kooperation der Kita-Fachkräfteverbände in Deutschland)
Sehr geehrter Herr Benrath,
sehr geehrte Mitglieder der Tarifkommission des VKA,
vielen Dank für Ihr Antwortschreiben, dass uns allerdings ratlos und resigniert zurücklässt.
Unser Kita-System hat gewaltige Probleme. Es geht nicht um ewig nörgelnde Erzieher*innen, denen man nur verbal über den Kopf streicheln muss, damit sie sich hoffentlich wieder schnell beruhigen. Wenn Sie in Ihrem Schreiben sagen, dass Erzieher*innen qualitativ hochwertige Arbeit im Sinne einer guten frühkindlichen Bildung machen, müssen viele von uns Ihnen deutlich widersprechen. Die Rahmenbedingungen in unseren Kitas liegen weitab von den fachlichen Mindestanforderungen an eine gute pädagogische Qualität und einen kindgerechten Kita-Alltag.
Weil wir unserem Bildungsauftrag nicht mehr gerecht werden, gezielte Förderung, aber auch bedürfnisorientierte Betreuung und ein guter kindgerechter Alltag vielerorts nicht mehr realisierbar sind, haben wir als Leute aus der täglichen Praxis Kita-Fachkräfteverbände gegründet. Wir hoffen, dass Sie uns erneut antworten und zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit den Problemen des Kita-Systems bereit sind. Gern stehen wir Ihnen dafür auch in einem Onlinemeeting zur Verfügung.
Der ganze Text und unsere Fragen als PDF:
Stellungnahme: Gesetzesentwurf der Regierung des Saarlandes - Saarländisches Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsgesetz
(SBEBG) Drucksache 16/1835 10.11.2021
Die umfassende Stellungnahme findet ihr als Download über den Button.
Unser Fazit
Dieses neue SBEBG wird auf Jahre hinaus richtungsweisend sein. Es wird auf Jahre hinaus Gültigkeit haben und es wird auf Jahre hinaus nicht dazu beitragen, die Qualität in den saarländischen Kindertageseinrichtungen wesentlich zu verbessern.
Dieses Gesetzt zementiert, wie man sich auch künftig die Arbeit in Kitas vorstellt: viel zu viele Kinder, keine Verbesserung der Raumsituation, marginale Verbesserung des Personalschlüssels, keine wirkliche Inklusion.
Es wird zusätzlich die Aufweichung der Profession in Kauf genommen und Kinder werden nicht ausreichend gefördert werden können.
Dieses Gesetz richtet sich nicht nach wissenschaftlichen Studien, die den Fachkraft-Kind-Schlüssel als einer der Schlüsselfaktoren für gute Qualität in Kitas erkannt haben.
Laut Bertelsmann Studie hat das Saarland einer der schlechtesten Fachkraft-Kind-Schlüssel in den westlichen Bundesländern (vgl. Bock-Famulla 2021).
Daran wird sich auch künftig nichts ändern. Es wird in der geplanten Form die Rahmenbedingungen in saarländische Kitas nicht wesentlich verbessern.
Die Folgen davon sind absehbar und werden in den Grundschulen deutlich spürbar werden.
Gezeichnet:
Susanne Kunz, 1. Vorsitzende
Susanna Schwarz-Urff, 2. Vorsitzende
Verband der Kita-Fachkräfte Saar
Brief an die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber
Sehr geehrte Frau Welge, sehr geehrter Herr Benrath, sehr geehrte Mitglieder der Verhandlungskommission der kommunalen Arbeitgeber,
zu Ihrer Stellungnahme bezüglich der Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst 2022 möchten wir als Kita-Fachkräfteverbände aus den Bundesländern, deren Mitglieder direkt aus der Kita-Praxis kommen, Stellung beziehen.
Wir unterstützen die gewerkschaftlichen Forderungen vorbehaltlos, insbesondere wenn es um die dringend notwenigen Verbesserung der Arbeit- und Rahmenbedingungen in unseren Kitas geht.
http://tarifrunde-sozial-und-erziehungsdienst.vka.de/fileadmin/SuE/PDFs_zum_Download/220216_Flyer_SuE-Der_kommunale_SuE_final.pdf?_=1645806840
http://tarifrunde-sozial-und-erziehungsdienst.vka.de/fileadmin/SuE/PDFs_zum_Download/220216_Flyer_SuE-Beschaeftigtenstruktur.pdf?_=1645697
[...]
Der komplette Text als PDF:
Brandbrief:
„Kitas werden durchseucht - Gesundheit von Fachkräften und Kindern wird auf‘s Spiel gesetzt!“
Zurzeit steigen die Corona- Zahlen bundesweit immens an,
besonders betroffen davon sind Kitas!
Geradezu explosionsartig steigen in Kitas die Zahlen Infizierter in die Höhe. Es gibt fast keine Einrichtung mehr, die nicht von immer neuen Fällen betroffen ist.
Die ab 25.01.2022 geltenden Quarantäne-Regelungen im Saarland besagen, dass keine Gruppen mehr in Quarantäne geschickt werden, unabhängig davon wieviel Kinder erkrankt sind.
In den Kitas sind fast alle Kinder ungeimpft, tragen keine Masken und können natürlich keinen Abstand halten.
Deshalb werden die neuen Regelungen zwangsläufig dazu führen, dass die Infektionsketten in betroffenen Gruppen nicht mehr unterbrochen werden und sich mehr Fachkräfte und Kinder in viel kürzerer Zeit als bislang infizieren.
Die Verantwortlichen nehmen damit billigend in Kauf, dass viele Fachkräfte und Kinder erkranken und Kitas regelrecht durchseucht werden. Nicht selten infizieren Fachkräfte und Kinder danach auch ihr häusliches Umfeld.
Es erreichen uns immer mehr Meldungen aus dem gesamten Saarland, dass Fachkräfte ausfallen und mitunter wochenlang erkranken, obwohl sie geimpft und geboostert sind.
Bei den Fachkräften geht die Angst um. So gerne sie ihren Beruf auch ausüben, ärgern sie sich jetzt besonders über den Opportunismus von Politikern, die vor einer Landtags-Wahl keine unbequemen Entscheidungen mehr treffen wollen.
"Ich fühle mich wie eine Ratte in einem Versuchslabor", meinte kürzlich ein*e Erzieher*in.
Die neuen Quarantäne-Regelungen haben zur Folge, dass die Infektionsketten in den Kitas nicht mehr unterbrochen werden. Die nun getroffene Regelung führt auch zu der Situation, dass mit zweierlei Maß gemessen wird: Spielen 2 Kinder zusammen zu Hause, von denen eines im Anschluss positiv getestet wird, müssen beide in Absonderung, weil der Kontakt im häuslichen Umfeld stattgefunden hat. Spielen genau dieselben Kinder im Kindergarten zusammen, muss nur das positiv getestete Kind in Isolation. Das andere Kind darf getestet kommen.
Fachkräfte und Kinder sind dieser Willkür vollkommen ausgeliefert.
Die Folge davon wird sein, dass einzelne Gruppen oder auch ganze Kitas vorübergehende schließen werden, weil Personal fehlt. Das dann noch vorhandene Personal muss alles stemmen: Hygieneregeln umsetzen, Lüftungsprotokolle schreiben, Desinfizieren, Concierge- Lösungen anbieten, die Öffnungszeiten halten, die Aufsicht gewährleisten und natürlich noch testen, testen, testen.
Nicht zu vergessen, natürlich nebenbei noch Bildungsarbeit leisten, Französisch sprechen, gesundes Essen anbieten, Kooperationen am Laufen halten,…
„Dass dies noch lange funktioniert, können doch selbst realitätsferne Politiker nicht glauben“, so die Meinung von Fachkräften.
Da ist es auch kein Trost mehr, dass inzwischen Long-Covid bei Fachkräften als Berufskrankheit anerkannt wird! Natürlich musste auch dies zuerst einmal erkämpft werden!
Gez. Verband der Kita – Fachkräfte Saar e.V.
Kita-Fachkräfteverbände* warnen: Zu wenig Personal in den Kitas!
Politik muss in der neuen Legislaturperiode endlich handeln!
Berlin In vielen Kitas und Horten fehlen pädagogische Fachkräfte. Die Landesverbände der pädagogischen Fachkräfte warnen, dass für ein kindgerechtes Bildungsangebot in Kitas rd. 100.000 Fachkräfte fehlen. Diese Entwicklung wird sich bis 2030 unter Berücksichtigung der aktuellen Berechnungen der Bertelsmann Stiftung ohne politische Maßnahmen in ganz Deutschland nicht entspannen. Der Anteil der nicht kindgerechten Betreuung liegt derzeit bundesweit bei rd. 73%. In dieser abstrakten Zahl kommt aber neben einer problematischen Betreuungssituation auch die starke Belastung des pädagogischen Personals zum Ausdruck. Oft müssen Erzieherinnen Tage- z. T. wochenlang allein Kindergruppen von 15 und mehr Kinder betreuen, was physisch und psychisch stark belastend sowie haftungsrechtlich problematisch ist. Im Ergebnis führt das u. a. zu einem hohen Krankenstand, einer hohen Fluktuation, der Reduzierung der Arbeitszeit oder eben auch in letzter Konsequenz zur Kündigung; ein weiterer Grund für die schwierige Situation sind auch die bescheidenen Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten.
Die Situation wird zudem noch dadurch verschärft, dass zwar der Kitaausbau politisch forciert wird, die Ausbildung und Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte aber hinterherhinkt. Mit dem aktuell beschlossenen Gesetz zur Förderung der Ganztagsbetreuung von Kindern im Grundschulalter werden zwar 7,5 Mrd. Euro für Investitionen bereitgestellt, die Förderung einer begleitenden Fachkräfteoffensive ist aber nicht vorgesehen. Ebenso hat das sog. „Gute Kita Gesetz“ kaum eine Wirkung entfaltet, da die 5,5 Mrd. Euro überwiegend einer Beitragsentlastung der Eltern dienten, aber die Qualität des frühkindlichen Bildungsangebotes nur punktuell gefördert wurde. Für die kommende Legislaturperiode sollte deshalb weniger auf öffentlichkeitswirksame Beitragsentlastungen geschaut werden, sondern die Qualität der frühkindlichen Bildung und eine wirksame Fachkräfteoffensive müssen im Mittelpunkt stehen. Ansonsten wird auch der Anspruch auf eine gute Ganztagesbetreuung von Kindern im Grundschulalter kaum gewährleistet werden können.
„Es kommt nun darauf an, dass endlich die richtigen Schlussfolgerungen durch die Politik gezogen werden, denn ansonsten laufen wir in eine katastrophale Betreuungssituation hinein“, so Claudia Theobald, Vorstandsvorsitzende Rheinland-Pfalz, für alle Kita-Fachkräfteverbände.
Die „jungen“ Kita-Fachkräfteverbände in den Bundesländern haben zum ersten Mal gemeinsam ein Positionspapier verfasst. Hierin werden die wichtigsten Ziele der nächsten Jahre zur Stärkung der frühkindlichen Bildung formuliert. Bis Ende 2025 sollte insbesondere der Personalmangel endlich behoben werden. Voraussetzung dafür muss es sein, dass Bund und Länder dies auch als gemeinsame Aufgabe begreifen und zügig an die Umsetzung gehen.
Claudia Theobald, Rheinland-Pfalz, [email protected]
Pascal Kaiser, Berlin, [email protected]
*Berufsverbände der Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen in Kitas und Horten haben sich mittlerweile in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen i.G., Niedersachsen-Bremen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen/Sachsen-Anhalt und Thüringen gegründet.
Stellungnahme
Geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes
Stellungnahme vom 16. April 2021
Der Verband der Kita-Fachkräfte Saar begrüßt bei hohen Inzidenzen in einem Landkreis einen einheitliche bundesweite Reglung zu Öffnungen und Schließungen von Kindertageseinrichtungen durch das Infektionsschutzgesetz.
Dies dient dazu Kontakte und damit auch Infektionen einzudämmen und schafft mehr Klarheit für alle Beteiligte - Eltern, Kinder und Fachkräfte.
Die Infektionszahlen sind laut einer RKI Studie in Kindertageseinrichtungen seit Mitte Februar um das Vierfache gestiegen. Die Anzahl der Infizierten im Alter zwischen 0-15 Jahren übertrifft inzwischen die aller anderen Altersstufen.
Anders als in Schulen können in Kitas zwischen Kindern und Fachkräften weder Abstände eingehalten noch Masken getragen werden. Es befinden sich jeden Tag sehr viele Personen (20-30 Kinder und Fachkräfte) über viele Stunden (6-8 Std) auf nicht mehr als 40-50 m².
Zum Vergleich dazu ist in Geschäften nur eine Person pro 15m² zulässig. Dies entspräche in Kindergärten lediglich eine Zulassung bis zu max. 4 Personen pro Gruppenraum.
Eine verbindlich geregelte Notbetreuung, welche von Eltern beim Jugendamt beantragt werden kann, halten wir für zwingend notwendig, um das Infektionsgeschehen in den Kitas in den Griff zu bekommen. Während des 1. Lockdowns wurden damit gute Erfahrungen gemacht.
Die Notbetreuung müsste mit einer Auslastungsobergrenze von max. 5 Kindern pro Gruppe versehen werden.
Der Vorstand
Für einen Neustart in der Bildung braucht es einen Nationalen Bildungsgipfel - JETZT!!!
14. März 2023
Für einen Nationalen Bildungsgipfel: Breiter Appell an Bundeskanzler und Länderchef:innen
Leistungsdefizite, Chancenungleichheit, Pädagog:innenmangel: Die massiven Pro-bleme im deutschen Bildungssystem verletzen die Rechte jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen auf bestmögliche Bildung und haben Folgeschäden für die gesamte Ge-sellschaft. Deshalb erfordern sie politisches Handeln in gesamtstaatlicher Verantwor-tung. Ein breiter Kreis aus Stiftungen, Verbänden und Gewerkschaften appelliert an den Bundeskanzler und die Regierungschef:innen der Länder, mit einem Nationalen Bildungsgipfel einen grundlegenden Reformprozess im Bildungswesen einzuleiten.
14. März 2023. Die Lösung der massiven Probleme im deutschen Bildungssystem duldet kei-nen weiteren Aufschub. Aus dieser Überzeugung heraus richtet ein breiter Kreis aus Stiftun-gen, Verbänden und Gewerkschaften einen gemeinsamen Appell an alle Verantwortlichen in der Politik. Anlass ist der heutige Bildungsgipfel am Rand der Bildungsforschungstagung des Bundesbildungsministeriums, der mit Blick auf Format, Vorbereitung, Agenda und Teilneh-mende der Dimension der Herausforderung nach Ansicht der Unterstützer:innen des Appells nicht gerecht wird. „Es ist höchste Zeit, dass Bundeskanzler Olaf Scholz und die Regierungs-chef:innen der Bundesländer einen echten Nationalen Bildungsgipfel einberufen. Dieser Gip-fel sollte alle relevanten Akteur:innen in der Bildung an einen Tisch bringen und den Auftakt zu einem grundlegenden, gesamtgesellschaftlichen Reformprozess markieren, um einen Neustart in der Bildung einzuleiten“, appellieren die Unterstützer:innen.
Die Alarmsignale sind längst unverkennbar und zeigen sich bereits in der frühen Bildungs-phase: Bundesweit fehlen Hunderttausende Kita-Plätze, zudem können viele Kitas aufgrund einer nicht kindgerechten Personalausstattung ihren Bildungsauftrag nicht mehr erfüllen. An den Grundschulen wiederum gehen die Leistungen seit Jahren zurück, vor allem in den Ba-siskompetenzen Lesen, Schreiben, Zuhören und Rechnen. Auch an den weiterführenden Schulen sinkt das Leistungsniveau auf allen Ebenen dramatisch. Der Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss bleibt hoch. Zugleich wächst die Zahl junger Menschen, die im Berufs-leben den Anschluss verlieren: Mehr als eine halbe Million junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren gehen weder einer Arbeit noch einer schulischen oder beruflichen Ausbildung nach. Neben individuellen Risiken erwachsen daraus auch soziale und wirtschaftliche Belas-tungen für die Gesellschaft. Ein Kernproblem deutscher Bildungspolitik bleibt über alle Bil-dungsstufen hinweg ungelöst: Bildungserfolge hängen hierzulande noch immer zu stark von der sozialen Herkunft ab. Auf diese Weise werden die Chancen und Rechte von Kindern und Jugendlichen beschnitten und Begabungen vergeudet.
Strukturelle Probleme angehen: Fachkräftemangel, Finanzierung, Steuerung
Obwohl sich alle Beteiligten viel Mühe geben: Dem Bildungssystem gelingt es immer weni-ger, die Fehlentwicklungen zu korrigieren. Das liegt zum einen am massiven Mangel an Leh-rer:innen und pädagogischen Fachkräften, der sich in den kommenden Jahren noch zu ver-schärfen droht. Darunter leiden nicht nur die Verfügbarkeit und Qualität der Bildungsange-bote an Schulen und Kitas, sondern auch das vorhandene Personal. Die steigende Arbeits-belastung, insbesondere durch nicht-pädagogische Aufgaben, mindert die Attraktivität der
Berufsbilder und schreckt künftige Nachwuchskräfte ab. Die Engpässe haben auch Folgen für die Wirtschaft: Fehlende Plätze in Kitas und der Ganztagsförderung von Grundschüler:in-nen erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, während häufiger Unterrichtsausfall die Vermittlung grundlegender Kompetenzen für die Fachkräfte von morgen behindert.
Ein weiteres Problem stellt die Finanzierung des Bildungssystems dar. Sie ist häufig weder auskömmlich noch sozial gerecht. Gerade im Bereich der außerschulischen Angebote ist das Geld zu knapp und nicht langfristig zugesichert. Zudem werden Gelder noch immer zu oft nach dem Gießkannenprinzip verteilt, anstatt sie gezielt dort einzusetzen, wo sie am meisten bewirken können.
Schließlich behindert die Struktur des Bildungssystems selbst Anpassungen und Reformen. Die unsystematische Verflechtung der politischen Ebenen erfordert komplexe Abstimmun-gen, sowohl zwischen Bund, Ländern, Kommunen und den jeweils beteiligten Ressorts, als auch mit den Trägern. Wohin das führt, zeigen zum Beispiel die zähe Umsetzung des Digital-pakts, der schleppende Ausbau des Ganztagsangebots für Grundschulkinder, die stagnie-rende Inklusion oder das Fehlen bundesweiter Qualitätsstandards in vielen Bereichen. Ge-fragt ist eine neue Kultur der Bildungszusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kom-munen, wie sie der Koalitionsvertrag in Aussicht gestellt hat.
Es braucht eine Initialzündung auf den höchsten politischen Ebenen
Allerdings lässt es die Dringlichkeit der Probleme nicht zu, auf eine Neuordnung der kommu-nalen und föderalen Zuständigkeiten zu warten. Die Missstände im Bildungswesen reichen weit über Kitas und Schulen hinaus. Sie gefährden sowohl die Chancen und Rechte jedes einzelnen jungen Menschen als auch die Zukunft unserer Wirtschaft, Gesellschaft und De-mokratie. Bildung soll den jungen Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung helfen und Orientierung bieten. Sie soll es ihnen ermöglichen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, an der Gesellschaft teilzuhaben und diese mitzugestalten. Sie soll ihnen die Kompetenzen ver-mitteln, um in der immer komplexeren Arbeitswelt ihren Platz zu finden. Bildung ist die Grundlage für wirtschaftlichen Wohlstand, Innovationskraft und die Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaft. Daher ist es erforderlich, jetzt die Weichen für ein leistungsfä-higeres, begabungs- und chancengerechteres Bildungssystem zu stellen.
Um den dringend benötigten Reformprozess herbeizuführen, braucht es eine Initialzündung auf den höchsten politischen Ebenen. Ein Nationaler Bildungsgipfel wäre das starke Signal, die Bildung
Gemeinsame Pressemitteilung der deutschlandweiten Kita-Fachkräfte Verbände zum Entwurf des Kita-Qualitätsgesetz
13. Februar 2023
Kita-Fachkräfte fordern mehr Investitionen in kindgerechte Rahmenbedingungen
Die letzten Jahre haben eindrücklich gezeigt: Kitas sind wichtige
Bildungseinrichtungen. In den ersten Lebensjahren werden die Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung und der Bildungsbiografie gelegt. Bundesweit sind die Kita-Strukturen von unzureichender Personalausstattung und nicht adäquaten Räumlichkeiten gekennzeichnet. Das Kita-Qualitätsgesetz soll hier ein Stück weit
Abhilfe schaffen. Fachkräfte und Experten halten die im Kita- Qualitätsgesetz vorgesehenen Investitionen für unzureichend.
„Wir begrüßen ein bundesweites Kita-Qualitätsgesetz. Es benötigt, neben den Anstrengungen der Bundesländer eine Initiative des Bundes, um die frühkindliche Bildung und Entwicklung nachhaltig zu stärken“ äußert sich Veronika Lindner, Vorstandsmitglied des Verbands Kita-Fachkräfte Bayern zum Gesetzesentwurf.
„Mit dem angestrebten Handlungsfeld „Fachkraft-Kind-Schlüssel“ soll der
Betreuungsschlüssel schrittweise angehoben werden. Hier müssen wir uns in den kommenden Jahren zu den wissenschaftlichen Mindestanforderungen hinbewegen, von denen aktuell alle Bundesländer weit entfernt sind,“ führt Claudia
Ungefehr, Vorstandsmitglied im Verband Kita-Fachkräfte Sachsen/Sachsen-Anhalt aus.
„Im Moment werden 73% Prozent aller deutschen Kita-Kinder in
Einrichtungen betreut, die keinen kindgerechten Fachkräfteschlüssel haben. Wir geben zu bedenken, dass die Anrechnung von Fehlzeiten in vielen Bundesländern keine Berücksichtigung findet. Hier eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, wäre aus unserer Sicht ein Meilenstein“ erläutert Claudia Ungefehr die Situation.
„In zu großen Gruppen, zu kleinen Räumen und mit unzureichenden
Personalschlüsseln lässt sich nur schwer auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Die Zahl der Kinder mit großem Unterstützungsbedarf, sei es im sprachlichen, motorischen oder auch emotionalen Bereich, nimmt stetig zu“ ergänzt Anja Braekow, Vorstandsmitglied im Verband Kita-Fachkräfte Baden-Württemberg. Aus
diesem Grund ist auch das Auslaufen des Sprach-Kitas Programm bei vielen
pädagogischen Fachkräften, Eltern und Experten auf Unverständnis gestoßen.
„Zwar sieht der Gesetzentwurf das Handlungsfeld Sprache vor, aber bis jetzt ist unklar, ob es ein sinniges Nachfolgemodell zu den Sprach-Kitas geben wird und ob das vom Bund außerhalb des Kita-Qualitätsgesetzes finanziert wird. Es ist fraglich,
ob die Länder aus Ihren Mitteln zusätzliche Sprachförderprogramme finanzieren,“ unterstreicht Braekow die Problematik.
Das Gesetz sieht vor, dass die Länder die bereitgestellten Gelder vorrangig in
Qualität investieren müssen, bevor sie zum Beispiel für eine Beitragsfreiheit genutzt werden können. Bei einem Kita-Qualitätsgesetz, das diesen Namen verdient, müssen die Gelder auch zu 100% in dringend benötigte Qualitätsverbesserungen fließen. Die Zeit der Kompromisse auf Kosten der Kinder und ihren Bildungschancen sind vorbei.
„Pädagogische Fachkräfte brauchen durch bessere Personalschlüssel echte Entlastung, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden zu können. Entlastung kann in Zeiten des Fachkräftemangels auch durch
die Abgabe von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, weniger Bürokratie oder
Unterstützung durch Verwaltungskräfte erreicht werden,“ unterstreicht Veronika Lindner, vom bayerischen Verband, die Forderungen der Fachkräfteverbände.
Ganz grundsätzlich stellt sich die Frage, welchen Stellenwert eine gute
frühkindliche Bildung in unserer Gesellschaft hat.
Gute pädagogische Kita-Qualität braucht kindgerechte Rahmenbedingungen. Nur so können die Ziele der Regierung bezüglich Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit verwirklicht werden.
Die Kita-Fachkräfteverbände Deutschland
Pressemitteilung zum gemeinsamen Brief der Kita Fachkräfteverbände deutschland an Familienministerin Paus
24. August 2022
Bund möchte „Gute-Kita-Gesetz“ anpassen und fortführen
Kita-Fachkräfte Verbände fordern mehr Personal
Mit einem offenen Brief wenden sich die Kita-Fachkräfteverbände Deutschlands mit ihrem Anliegen an Bundesfamilienministerin Paus.
Alle Verbände fordern, dass es endlich um Qualität statt um Quantität gehen muss. Sie erwarten, dass der Fachkraft-Kind-Schlüssel endlich den wissenschaftlichen Mindestanforderungen entspricht. Kein Bundesland hat trotz der Gelder aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ die vom Bund festgelegten Schwellenwerte für den
Fachkraft-Kind-Schlüssel flächendeckend umgesetzt.
„Als Fachkräfteverbände setzen wir uns schon lange dafür ein, dass sich die Arbeits- und Rahmenbedingungen signifikant verbessern“ unterstreicht Anja Braekow, 1. Vorsitzende aus
Baden-Württemberg das Anliegen.
„Es finden sich nicht genug junge Leute, die in der Kita arbeiten wollen und altgediente Kräfte verlassen resigniert das Arbeitsfeld“ unterstreicht Claudia Theobald, 1. Vorsitzende aus
Rheinland-Pfalz die Missstände.
Für kindegerechte Bedingungen benötigt es deutlich mehr
Personal als aktuell gegeben.
Die Kita-Fachkräfte aus ganz Deutschland sind erleichtert, dass weiterhin in Kitas investiert
werden soll.
„Jetzt kommt es darauf an, die Prioritäten richtig zu setzen. Dies bedeutet kindgerechte Betreuungsschlüssel deutschlandweit zu etablieren“ äußert sich Melanie Krause, 1.Vorsitzende des Kita-Fachkräfte Verbands Niedersachsen-Bremen dazu.
„Genügend Personal ist nicht alles, aber ohne ausreichend Personal ist alles nichts!“ stellt Claudia Theobald abschließend fest.
Mit freundlichen Grüßen,
im Auftrag der Kita-Fachkräfteverbände in Deutschland
Claudia Theobald
Rheinland-Pfalz
Melanie Krause
Niedersachsen/Bremen
Anja Braekow
Baden-Württemberg
Pressemitteilung #KitasamLimit
Eine Protestwelle zieht durch die Kitas. Was zunächst in NRW eindrucksvoll begann, zieht nun auch Kreise durch weitere Bundesländer. Denn auch dort haben sich die Kitafachkräfteverbände dem Protest angeschlossen und rufen die pädagogischen Fachkräfte dazu auf, sich zu beteiligen. Zeitgleich hat auch Ver.di zu solch einer Aktion aufgerufen. Wenn Gewerkschaften, KitaFachkräfteverbände oder weitere Aktivist:Innen auf die gleichen Missstände hinweisen, begreift die Politik hoffentlich, dass nicht nur ein bestimmtes Klientel oder immer die Gleichen Kritik üben, sondern die Praxis vor Ort gemeinsam um Hilfe ruft und nicht mehr bereit ist so weiterzumachen. Unter dem Hashtag #kitasamlimit, #esreicht und #unsglangts (in Bayern) protestiert seitdem das Personal aus den Kitas. Sie sind am Limit und es ist kein Ende in Sicht. Sowohl die Personalsituation, als auch die schlechten Rahmenbedingungen, auf die immer wieder aufmerksam gemacht wird, führen unter den Kita-Fachkräften zu Frust und Ärger. Die Pandemie tut ihr Übriges, indem sie den Krankenstand in die Höhe treibt und die Gesundheit von Kindern, Personal und Familien bedroht. Im Januar diesen Jahres legte die Agentur für Arbeit(1) beeindruckende Zahlen vor: auf 100 freie Stellen kommen nur noch 79 Fachkräfte. Im Jahr 2010 waren es noch 253 Fachkräfte. Immer mehr Fachkräfte verlassen ihren Beruf und orientieren sich neu. Der Fachkräftemangel verstärkt sich weiter! Mit der Aktion #kitasamlimit wollen wir, über die einzelnen Bundeslandgrenzen hinaus, auf die Bedingungen in den Kitas aufmerksam machen. Wir wollen den Kindern wieder eine verlässliche Betreuung und Bildung anbieten. Der Wert der frühkindlichen Erziehung, Bildung und Betreuung dürfen der Pandemie, den schlechten Rahmenbedingungen und einem realitätsfernen Personalberechnungsschlüssel nicht zum Opfer fallen. Kitas sind keine „Aufbewahrungsstätte“ für Kinder. Wir unterstützen Kinder in ihrem Handeln und legen den Grundstein für ihren weiteren Werdegang. Wir sind eine Bildungsstätte und das Sprachrohr der Kinder. Wir wollen mit ihnen lachen und Spaß haben, auf ihre Bedürfnisse eingehen und ihre Individualität sehen. Wir wollen Kinderrechte sichern und ein Schutzhaus für die Kleinsten sein. Doch es fehlt an Kapazität, es fehlt die Zeit, das Personal und inzwischen die Kraft. Die Leitungen in den Kitas versinken in der Bürokratie und haben kaum noch die Chance sich um pädagogische Aufgaben zu kümmern. Die gesunden Fachkräfte in den Gruppen fangen die Krankheitswelle auf, arbeiten teilweise alleine mit bis zu 25 Kindern und verletzen damit regelmäßig die Aufsichtspflicht. Unserem Bildungsauftrag und einer bedürfnisorientierten Betreuung können wir immer weniger nachkommen. Von fachgerechter Dokumentation und individueller Förderung ist schon lange keine Rede mehr. Individuelle Förderung und fachliche Dokumentation müssen sich seit Beginn dieser Pandemie stets der fortan priorisierten Betreuung aller Kinder - koste es was es wolle - unterordnen. Immer mehr Gruppen müssen geschlossen werden, da vermehrt das Personal erkrankt, aufgibt oder Stellen gar nicht erst besetzt sind. So geht es nicht mehr weiter!
Gez., die Kita-Fachkräfteverbände der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen/Bremen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen/Sachsen-Anhalt , Berlin, Bayern, Hessen und Saarland
(1) https://www.fachkraeftebarometer.de/zahl-des-monats
Brief an Herrn Meusel, bezüglich der aktuellen Zahnputzempfehlung des Jugendamts vom 30. 8. 2021
Sehr geehrter Herr Meusel!
Am 20.08.2021 haben Sie Empfehlungen, zur Mund-und Zahnhygiene in Pandemiezeiten, herausgegeben.
Nun möchten wir wissen, wie verbindlich die Empfehlung ist.
Wir hoffen, dass es lediglich eine Anregung sein soll, die auf freiwilliger Umsetzung basiert!
Ansonsten machen wir Sie drauf aufmerksam, dass wir diese Empfehlungen nicht für umsetzbar halten!
Schon unter den regulären Rahmenbedingungen, ohne die Sonderbelastung durch die Pandemie, ist Zähne putzen, aus unserer Sicht nicht möglich.
Die Kindertageseinrichtungen haben weder die personellen, noch die räumlichen Bedingungen, dies hygienisch und pädagogisch qualitativ umzusetzen.
Als Faustregel gilt, dass Kind erst richtig Zähneputzen können, wenn sie die Schreibschrift beherrschen. Daher müssen wir von einer individuellen Betreuung beim Zähneputzen ausgehen.
Wenn wir für ein Kind nur 2 Minuten veranschlagen, werden für 25 Kinder täglich 50 Minuten Betreuungszeit benötigt. Dabei sind die Zeiten für die Begleitung von und in die Gruppen und zur Desinfektion noch nicht berücksichtigt. Daher muss man für 25 Kinder als Mindestanforderung eine Stunde Betreuuungszeit pro Tag bei einmaligem Zähneputzen rechnen. Nehmen wir eine viergruppige Einrichtung mit 100 Kindern an, dann beläuft sich der Betreuungsaufwand auf minimal 20 Stunden pro Woche. Hinzu kommt der Aufwand für die Beschaffung neuer Becher und Zahnbürsten, was ebenfalls einen zusätzlichen Aufwand bedeutet.
Die Becher und Zahnbürsten müssen in ausreichendem Abstand und hygienisch sicher aufbewahrt werden. Stehen die Becher in den Waschräumen, dann besteht eine große Wahrscheinlichkeit dass diese durch freie Aerosole beim Abspülen kontaminiert werden und es zu einer großen Ansammlung von Fäkalbakterien und Viren auf den Zahnbürsten und in den Bechern kommt. Besonders, wenn eine ausreichende Trocknung nicht möglich ist.
Für die Aufbewahrung von Bechern braucht es mit entsprechendem Sicherheitsabstand mindestens 10 cm² pro Becher. Das sind bei 100 Becher 10m² hygienisch einwandfreien Raum. Das wäre de facto ein eigener Raum für Becher.
Abgesehen davon, dass es in vielen Kindertageseinrichtungen nicht ausreichend Waschbecken gibt und ebenfalls nicht genügend Platz, um eine Zahnputzaktion durchzuführen.
Die Vorgabe, dass sich auch die Bezugsperson die Zähne putzt, ist für uns ein unhaltbarer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Fachkräfte.
Eine solche Empfehlung unter Pandemiebedingungen herauszugeben und damit eine weitere Belastung für die Fachkräfte zu befürworten, finden wir kontraproduktiv zu allen Inhalten unserer Gespräche und es zeigt uns, dass die Belastungssituation in den Einrichtungen immer noch nicht richtig erkannt wird.
Es kann nicht sein, dass Verantwortungen, die von anderen Gruppierungen (Eltern) nicht wahrgenommen wird, den Kindertageseinrichtungen angelastet werden.
Alternativideen zu den Empfehlungen
- Unterstützung von Fachpersonal aus zahnärztlichen Praxen, welches in regelmäßigen Abständen kommt und mit den Kindern das Zähneputzen übt und zeitgleich neue Bürsten und Becher kostenneutral mitbringt. Diese Zahnbürsten und Becher nehmen die Kinder mit nach Hause, so dass dort sichergestellt ist, dass Becher und Zahnbürste vorhanden ist.
- Elternveranstaltungen zum Thema mit Fachpersonal wären eine weitere Alternative.
- Broschüren in verschiedenen Sprachen, die auf die Wichtigkeit einer guten Zahnprophylaxe und die richtige Unterstützung beim altergerechten Zähneputzen hinweist und erklärt, könnten bereits bei Geburt eines Kindes an die Familien verteilt werden.
- Projekte zu Zahngesundheit mit zahnmedizinischem Fachpersonal.
- Es wird ein Verfahren eingeführt für eine regelmäßige Kontrolle analog zu den U-Untersuchungen in den Praxen.
Abschließend möchten wir noch darauf hinweisen, dass es aktuell brennendere Themen gibt, als das Zähneputzen.
Wir bitte Sie unsere Anregungen anzunehmen und von einer Verbindlichkeit der Umsetzung der Empfehlungen Abstand zu nehmen.
Da Ihnen dieses Thema aber ein großes Anliegen ist und wir ebenfalls Gesundheitsförderung als Ziel haben, sind wir gerne bereit gemeinsam mit Ihnen zum Thema Zahngesundheit in den Austausch zu gehen.
Im Namen der Vorstands ,
mit freundlichen Grüßen,
Susanna Schwarz-Urff