Ergänzung zu Stellungnahme
Was das neue Sprachförderungskonzept
für pädagogische Fachkräfte
konkret bedeutet!
A) Verpflichtung verändert Beziehung & Alltag
Wenn Screening ab 4 „verpflichtend“ ist, kommt zu eurer pädagogischen Arbeit eine neue Rolle:
• ihr seid nicht nur Begleiter*innen, sondern auch Durchführende/Organisierendeeines verpflichtenden Verfahrens
• Elternfragen/Ängste/Abwehr („Stempel“, „Testdruck“, Datenschutz) landen bei euch
• Kinder, die nicht mitmachen wollen, brauchen besonders sensiblen Umgang → das ist Beziehungsarbeit, keine Technikfrage
Alltagseffekt: Mehr Gesprächs- und Konfliktmanagement, mehr Erklärbedarf, mehr emotionale Arbeit.
B) Fokus auf das „letzte Kita-Jahr“ erhöht Druck auf Gruppenplanung
Das Bildungschancenjahr bündelt Förderung im letzten Jahr vor Einschulung:
• mehr Kleingruppen-Logistik, Raum- und Zeitfenster
• stärkere Taktung (Kinder raus/ rein), Übergaben, Abstimmung
• Gefahr: „Vorschuljahr“ wird organisatorisch überformt – obwohl Kinder in dem Alter eigentlich Kontinuität brauchen
Alltagseffekt: Mehr „Betrieb organisieren“ statt ruhiger Bildungsarbeit – besonders, wenn Personal knapp ist.
C) Platzmangel wird zum Kita-Problem (noch mehr als bisher)
Fehlende Plätze ist Haupthürde – gleichzeitig wird Verbindlichkeit hochgefahren.
Das erzeugt in der Praxis:
• Priorisierungsdruck („wer muss rein, wer wartet?“)
• mehr Unzufriedenheit bei Eltern (zu Recht), die ihr auffangen müsst
• regional besonders harte Belastung in den genannten Fokuslagen
Alltagseffekt: Teams werden zu Engpass-Verwaltern eines strukturellen Problems.
D) Mehr Dokumentations- und Nachweislogik (auch wenn es „nicht so klingt“)
„Landesweit einheitlich“ + „wissenschaftlich fundiert“ heißt in der Praxis fast immer:
• standardisierte Abläufe, Fristen, Ergebnisweitergabe
• Nachweise, wer teilgenommen hat und was daraus folgt
• Abstimmung mit Schule/weiteren Stellen
Alltagseffekt: Mehr Bürokratie-/Koordinationszeit – die im Gruppendienst irgendwo herkommen muss.
E) Qualitätsrisiko: Sprachballung & Inklusion geraten stärker unter Druck
Wenn regional viele Kinder Förderbedarf haben (und gleichzeitig Plätze/Personal fehlen), steigt die Gefahr:
• dass Sprachförderung zum Sonderprogramm wird, während der Grundalltag leidet
• dass Kinder mit Inklusionsbedarf oder anderem Unterstützungsbedarf weniger individuelle Zuwendung bekommen
• dass „wirksame Unterstützung“ am Ende an fehlender Zeit scheitert
Alltagseffekt: Ungleichheit kann sich verschärfen, wenn Ressourcen nicht „on top“ kommen.
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3) Die zentrale Frage aus pädagogischer Sicht
Das Konzept formuliert hohe Ziele („alle Chancen für alle Kinder“). Diese Ziele sind wichtig.
Es entscheidet sich alles an einer Bedingung:
Kommt Zeit/Personal/Platz wirklich zusätzlich !
Wird es in den bestehenden Personalschlüssel integriert?
Wenn es nicht zusätzlich kommt, bedeutet es für Fachkräfte:
• weniger Präsenz in der Gruppe,
• mehr organisatorische Brüche,
• mehr Belastung/Überstunden/Fehlzeiten,
• und am Ende weniger Qualität – trotz guter Absicht.
Und wenn schon mehr Geld in Personal, Raum und Zeit investiert wird, stellt sich die Frage:
Warum wird der Fachkraft-Kind Schlüssel nicht verbessert?
1 Schritte: Gruppengröße auf maximal 20 Kinder und in Brennpunkten angelehnt an Schlüssel für inklusive Kita
Damit wir einen unvoreingenommen Blick auf die Thematik eingebunden hatten, nutzten wir auch hier die Möglichkeit einer Unterstützung durch KI.
Sauberkeitsbegleitung ist keine Zusatzaufgabe „am Rand“, sondern ein wesentlicher Zeit- und Aufsichtsbedarf, der außerhalb des Gruppenraums stattfindet. Genau dadurch wirkt er nicht nur zeitlich, sondern vor allem strukturell.
Eine Fachkraft ist in diesen Momenten physisch nicht in der Gruppe verfügbar.
Daher verbleibt im Gruppenraum häufig nur eine Person für bis zu 25 Kinder.
Realistisch möglich ist dann vor allem:
• Aufsicht und Sicherheit
• Konflikte stoppen und deeskalieren
• Übergänge organisieren
• kurze Orientierung und Basis-Kommunikation
Was dabei nicht mehr verlässlich gelingt
Gezielte pädagogische Arbeit wird nicht mehr verlässlich und entfällt häufig. Dazu gehört:
• gezielte Sprachbildung
• ruhige Angebote, Projekte, Bildungsimpulse
• Beobachtung & Dokumentation
• individuelle Förderung
• Begleitung vertiefter Spielprozesse
Die Folge ist ein Alltag im „Feuerwehrmodus“: Betreuung wird reaktiv, Bildungsarbeit findet nur noch dort statt, wo kurzfristig „
Zusätzliche Zuspitzung: Zeiten mit Alleinbesetzung
In der Praxis kommt hinzu, dass Teams aufgrund von Personalausfällen, Randzeiten oder Vertretungsbedarf anderer Gruppen zeitweise stundenweise oder tageweise allein in der Gruppe sein können. Dann stellt sich die zentrale Frage:
Wer begleitet die Kinder dann?
Sauberkeitsbegleitung lässt sich nicht „verschieben“, wenn ein Kind dringend zur Toilette muss oder umgezogen werden muss. Wenn keine zweite Person verfügbar ist, entsteht ein unauflösbarer Konflikt zwischen Aufsicht im Gruppenraum und 1:1-Begleitung außerhalb – mit direkten Auswirkungen auf Kindeswohl, Würde, Sicherheit und Bildungsqualität.
Fazit
Sauberkeitsbegleitung ist ein messbarer Mehrbedarf an Personalzeit und gleichzeitig eine Abwesenheitszeit aus dem Gruppenraum.
In Kombination mit reduzierter Netto-Betreuungszeit durch Verfügungszeiten und realen Ausfällen führt sie dazu, dass in großen Gruppen häufig nur noch Grundsicherung möglich ist – während Bildung, individuelle Förderung und stabile Beziehungsarbeit strukturell an Grenzen stoßen.
Besonders kritisch wird es in längeren Zeiten mit Alleinbesetzung: Dann stellt sich ganz konkret die Frage, wer die Kinder begleitet, wenn gleichzeitig die Aufsicht im Gruppenraum gesichert werden muss.
Auch die räumlichen Gegebenheiten erschweren häufig die Situation, da in vielen Kindertageseinrichtungen im Ü3 Bereich keine geeigneten Wickelbereiche und Toilettenhöhen vorhanden sind.
Text und Fotos entstanden mit Unterstützung durch KI
Verband der Kita-Fachkräfte Saar e.V.
Susanne Kunz - Vorstand Verband der Kita-Fachkräfte Saar e.V.
Zu Ihrer Anfrage bezüglich der Untersuchung des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung
Im Saarland werden laut Bertelsmann rund ein Drittel der unter 3jährigen (32% der Kinder) betreut, davon besteht für 83% eine Betreuungszeit von 45 Stunden und mehr. Damit liegt das Saarland im Ländervergleich weit vorne. Ähnliche Werte werden auch in Bezug auf 3-6jährigen angeführt.
Dies ist ein herausragender Wert, u.a. ist dies sogar daran zu erkennen, dass dieser Wert noch nicht einmal bei der Studie des Bundesinstitutes aufgeführt wird.
Die Scala geht nur bis zu einem Wert von 40 Wochenstunden
Dieser sehr hohe Anteil des Betreuungsumfangs, sowohl bei den unter 3-jährigen, wie auch bei den 3-6-jährigen hat u.a. in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Arbeitsverdichtung durch die langen Öffnungszeiten für die Kita-Fachkräfte stark zugenommen hat.
Bedingt durch den schon per Gesetz zu niedrigen „Fachkraft-Kind-Schlüssel“ wurde und wird das Personal dadurch in den Kernzeiten ausgedünnt, die Fachkräfte müssen die gesamte Betreuungszeit abdecken, was gravierende Folgen für die Bildungszeit mit den Kindern hatte und hat. Ausfälle des Personals durch Urlaube und Krankheiten werden nicht in dem Personalstundenumfang durch das Ministerium kompensiert.
Auf Schließzeiten im Sommer zu verzichten, würde nicht nur die momentane Schieflage (Anforderungen ungleich Betreuungsschlüssel) weiter verstärken, sondern zu einer nicht mehr zu stemmenden Mehrbelastung der Fachkräfte im Laufe desJahres führen. An noch mehr Tagen wie bislang würden vermehrt Fachkräfte fehlen, da diese ihren Urlaubsanspruch ja verteilt über das Jahr während der Öffnungszeit nehmen müssten.
Dies hätte verheerende Auswirkung auf die gesamte frühkindliche Bildung, da durch den bestehenden Fachkräftemangel und die unzureichenden Rahmenbedingungen die Kitas schon jetzt am Limit arbeiten. Dies wird von Experten aus dem frühkindlichen Bereich immer wieder bestätigt. (siehe Anhang)
Es mangelt schon jetzt massiv an pädagogisch fundiert ausgebildeten Fachkräften und auch weiterem benötigten Personal, sodass viele Kindertageseinrichtungen im Saarland bereits über einen längeren Zeitraum und aktuell, Öffnungszeiten reduzieren mussten und müssen. Es ist in der jetzigen Situation nicht gewährleistet, dass neu erschaffene Kindergarten- und Krippenplätze auch personell besetzt werden können.
zur Studie
Sinn und Unsinn von Umfragen
Wünsche sind nicht das gleiche wir Bedarfe! Solche Umfragen zu Wünschen erwecken den Eindruck, als wären es tatsächlich dringend von den Eltern benötigte Bedarfe. Dann zumindest sollten die Umfragewerte aktuell sein und nicht auf Ergebnissen von 2019 beruhen.
Es wird angeführt :
„So gaben im Jahr 2019 knapp 50 Prozent der Eltern von betreuten Kindern unter drei an, dass die Öffnungszeiten ein wesentlicher Grund für die Wahl der aufgesuchten KiTa waren. Bei den über Dreijährigen lagen sie mit 43 Prozent ebenfalls weit vor vielen anderen Kriterien.“
Wir stellen uns die Frage: Was ist denn falsch daran, wenn Eltern die für sie passende Kita aussuchen, die die Betreuung anbietet, die sie benötigen? Wie zufrieden sind die Eltern, für die die Öffnungszeiten ausreichend waren?
Wird denn in der Studie auch erfasst, wie viele Eltern zufrieden sind mit den Öffnungszeiten und sich nicht mehr Betreuung wünschen bzw. den Bedarf nach mehr haben?
Die Autoren der Studie führen an, dass 37% der Eltern der Kinder unter 3 sich eine längere Betreuungszeit wünschen. Wieso werden die daraus resultierenden 63% zufriedener Eltern noch nicht mal in der Pressemitteilung erwähnt?
Wenn man sich die Verteilung der Wochenstunden bei dem Diagramm ansieht, erkennt man, dass die Wochenstunden bei 5Stunden beginnen, dies würde bedeuten, dass die Kinder nur 1Stunde am Tag im Durchschnitt einen Platz hätten. Dies ist unseres Wissens nach im Saarland nicht möglich!
Für die Darstellung einer Kurve hingegen ist dies natürlich von Vorteil.
Ein Regelplatz beginnt mit 25 Stunden, sowohl bei den Krippen wir auch bei den Kindergartenkindern, meistens sind es jedoch 30 Stunden Regelplatz im Saarland.
Ein Ganztagesplatz umfasst in der Regel sogar 45- 50 Stunden, in einigen Einrichtungen auch darüber hinaus!
Auch in der Tagespflege werden deutlich mehr als 25 Stunden angeboten.
Wir stellen uns also tatsächlich die Frage nach der Seriosität der Interpretation dieser Umfrage.
Berufstätigkeit ist für Eltern wichtig und wünschen sich auch viele! Verlässliche Betreuungszeiten werden von Arbeitgebern benötigt, da ansonsten die Beschäftigten (Eltern) dies übernehmen müssen.
Die häufig einseitige Interpretation von solchen Umfragen/Studien und das sensationsheischende Publizieren nach mehr undflexibleren Betreuungszeiten, ohne hierbei alle Faktendarzustellen, nämlich, dass für die überwiegende Mehrheit der Eltern das Angebot passend ist, führt häufig zu einer einseitigen Betrachtungsweise – auch von der Politik.
Ganz zu schweigen davon, dass eine Forderung nach noch höheren und flexibleren Betreuungszeiten durch den hohen Kita-Fachkräfte-Mangel nicht umsetzbar ist und daher vollkommen aus dem Realitätsrahmen fällt.
Der Rahmen der öffentlichen Mittel ist bekanntlich endlich.
Arbeitgeber und Unternehmen, welche von ihren Beschäftigten mit Kleinkindern hohe Flexibilität erwarten, sind nun gefordert Unterstützungsmöglichkeiten für ihre Beschäftigten mit Kindern zu entwickeln und entsprechende Arbeitszeitmodelle zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf anzubieten? Dies ist zukünftig ein wesentlicher Aspekt zur Fachkräftegewinnung und Mitarbeiterbindung
Unternehmen profitierten (finanziell und personell) von den in der Studie geforderten Zeiten. Den Preis dafür zahlen die Steuerzahler und die Mitarbeitenden in Kindertageseinrichtungen und somit letztendlich die Kinder.
Ebenso stellt sich uns die Frage, wieso Beschäftigten mit Kleinkindern von Seiten des Gesetzgebers nicht mehr Schutz zur Betreuung ihrer Kinder eingeräumt wird?
Nochmal zu ihren Fragen:
Zurzeit prüfen Kitas und Träger, ob die Öffnungszeiten reduziert werden können, da sie nicht mehr das dafür notwendige Personal finden.
Es geht längst für Familien nicht mehr darum, welche Betreuungszeit ihnen zur Verfügung steht, sondern ob es überhaupt noch einen Betreuungsplatz gibt. Sehr vielen Familien reicht das bestehende Angebot aus, es gibt allerdings auch Familien, welche individuelle Lösungen finden müssen, denn das öffentliche System kann nicht 100% der Wünsche/Bedarfe erfüllen.
Rufe nach Öffnungszeiten über 17:00 Uhr hinaus sind Tagträumereien – Die Zeit des Wünschens ist vorbei!
Mit freundlichen Grüßen!
Susanne Kunz
1.Vorsitzende
Verband der Kita-Fachkräfte saar e.V.
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Verband der Kita -Fachkräfte Saar e.V.
www.kita-fachkraefte-saar.de
Vorsitzende: Susanne Kunz/Susanna Schwarz-Urff