Verbandsarbeit

Hier könnt ihr nachlesen, womit wir uns gerade beschäftigen.

Brief an Herrn Meusel, bezüglich der aktuellen Zahnputzempfehlung des Jugendamts vom 30. 8. 2021

Sehr geehrter Herr Meusel!

 

Am 20.08.2021 haben Sie Empfehlungen, zur Mund-und Zahnhygiene in Pandemiezeiten, herausgegeben.

Nun möchten wir wissen, wie verbindlich die Empfehlung ist.

Wir hoffen, dass es lediglich eine Anregung sein soll, die auf freiwilliger Umsetzung basiert!

 

Ansonsten machen wir Sie drauf aufmerksam, dass wir diese Empfehlungen nicht für umsetzbar halten!

Schon unter den regulären Rahmenbedingungen, ohne die Sonderbelastung durch die Pandemie, ist Zähne putzen, aus unserer Sicht nicht möglich.

Die Kindertageseinrichtungen haben weder die personellen, noch die räumlichen Bedingungen, dies hygienisch und pädagogisch qualitativ umzusetzen.

 

Als Faustregel gilt, dass Kind erst richtig Zähneputzen können, wenn sie die Schreibschrift beherrschen. Daher müssen wir von einer individuellen Betreuung beim Zähneputzen ausgehen.

Wenn wir für ein Kind nur 2 Minuten veranschlagen, werden für 25 Kinder täglich 50 Minuten Betreuungszeit benötigt. Dabei sind die Zeiten für die Begleitung von und in die Gruppen und zur Desinfektion noch nicht berücksichtigt. Daher muss man für 25 Kinder als Mindestanforderung eine Stunde Betreuuungszeit pro Tag bei einmaligem Zähneputzen rechnen. Nehmen wir eine viergruppige Einrichtung mit 100 Kindern an, dann beläuft sich der Betreuungsaufwand auf minimal 20 Stunden pro Woche. Hinzu kommt der Aufwand für die Beschaffung neuer Becher und Zahnbürsten, was ebenfalls einen zusätzlichen Aufwand bedeutet. 

 

Die Becher und Zahnbürsten müssen in ausreichendem Abstand und hygienisch sicher aufbewahrt werden. Stehen die Becher in den Waschräumen, dann besteht eine große Wahrscheinlichkeit dass diese durch freie Aerosole beim Abspülen kontaminiert werden und es zu einer  großen Ansammlung von Fäkalbakterien und Viren auf den Zahnbürsten und in den Bechern kommt. Besonders, wenn eine ausreichende Trocknung nicht möglich ist. 

Für die Aufbewahrung von Bechern braucht es mit entsprechendem Sicherheitsabstand mindestens 10 cm² pro Becher. Das sind bei 100 Becher 10m² hygienisch einwandfreien Raum. Das wäre de facto ein eigener Raum für Becher.

 

Abgesehen davon, dass es in vielen Kindertageseinrichtungen nicht ausreichend Waschbecken gibt und ebenfalls nicht genügend Platz, um eine Zahnputzaktion durchzuführen.

 

Die Vorgabe, dass sich auch die Bezugsperson die Zähne putzt, ist für uns ein unhaltbarer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Fachkräfte.

 

Eine solche Empfehlung unter Pandemiebedingungen herauszugeben und damit eine weitere Belastung für die Fachkräfte zu befürworten, finden wir kontraproduktiv zu allen Inhalten unserer Gespräche und es zeigt uns, dass die Belastungssituation in den Einrichtungen immer noch nicht richtig erkannt wird.

 

Es kann nicht sein, dass Verantwortungen, die von anderen Gruppierungen (Eltern) nicht wahrgenommen wird, den Kindertageseinrichtungen angelastet werden.

 

Alternativideen zu den Empfehlungen

- Unterstützung von Fachpersonal aus zahnärztlichen Praxen, welches in regelmäßigen Abständen kommt und mit den Kindern das Zähneputzen übt und zeitgleich neue Bürsten und Becher kostenneutral mitbringt. Diese Zahnbürsten und Becher nehmen die Kinder mit nach Hause, so dass dort sichergestellt ist, dass Becher und Zahnbürste vorhanden ist.

 

- Elternveranstaltungen zum Thema mit Fachpersonal wären eine weitere Alternative.

 

- Broschüren in verschiedenen Sprachen, die auf die Wichtigkeit einer guten Zahnprophylaxe und die richtige Unterstützung beim altergerechten Zähneputzen hinweist und erklärt, könnten bereits bei Geburt eines Kindes an die Familien verteilt werden.

 

- Projekte zu Zahngesundheit mit zahnmedizinischem Fachpersonal.

 

- Es wird ein Verfahren eingeführt für eine regelmäßige Kontrolle analog zu den U-Untersuchungen in den Praxen.

 

Abschließend möchten wir noch darauf hinweisen, dass es aktuell brennendere Themen gibt, als das Zähneputzen.

 

Wir bitte Sie unsere Anregungen anzunehmen und von einer Verbindlichkeit der Umsetzung der Empfehlungen Abstand zu nehmen.

 

Da Ihnen dieses Thema aber ein großes Anliegen ist und wir ebenfalls Gesundheitsförderung als Ziel haben, sind wir gerne bereit gemeinsam mit Ihnen zum Thema Zahngesundheit in den Austausch zu gehen.

 

Im Namen der Vorstands ,

mit freundlichen Grüßen,

Susanna Schwarz-Urff 

Bundesweites Meeting mit Frau Bock-Farmulla von der Bertelsmann Stiftung


Am 27.08.2021 fand anlässlich des „Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2021“ und des „Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule 2021“ ein Treffen zwischen den Kita-Fachkräfteverbänden der Länder und Fr. Bock-Famulla von der Bertelsmann Stiftung statt.

Frau Bock-Famulla stellte die Ergebnisse der Studien vor und betonte vor allem die Unterschiede zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern.
Inhalt war unter anderem der frühe Zugang zu Bildung und die Förderung der Chancengerechtigkeit, sowie die ganzheitliche Förderung.

Der erstmals veröffentlichte Fachkräfteradar hat zum Ziel, eine Grundlage für kindgerechte Personalschlüssel zu schaffen und die ungleichen Bedingungen der Kinder in den verschiedenen Bundesländern aufzuzeigen.

Der Bertelsmann Stiftung ist es wichtig, die Personalschlüssel zu nutzen, statt der Fachkraft-Kind-Relation, da ansonsten Ausfallzeiten und mittelbare Arbeit nicht sichtbar wird. Trotzdem sind tatsächliche Vor-/Nachbereitungszeit und Ausfallzeiten nur hypothetisch bestimmbar.
Hierzu erklärte sie, dass die Daten für den Ländermonitor aus der amtlichen Statistik der Kindertagesbetreuung (KJH-Statistik) und aus weiteren amtlichen Statistiken kommen.

Es ließe sich dennoch feststellen, dass alle Bundesländer von wissenschaftlichen Standards noch weit entfernt seien.

Frau Bock-Famulla betonte, wie wichtig es ist, mit der Praxis in den Austausch zu gehen sowie die Bedeutung der Fachkräfteverbände. Sie machte mehrmals deutlich, dass sie offen für Gespräche und Zusammenarbeit mit den Verbänden ist und wies zudem auf die Veröffentlichung der Fachkräftebefragung „FachkräfteZOOM“ hin, die darstellt, dass Bildungsarbeit in Kitas oft nicht möglich ist.