Verbandsarbeit

Hier könnt ihr nachlesen, womit wir uns gerade beschäftigen.


Update: dürfen Erzieher:innen künftig Leitung werden?

28. Juli 2022
 

Laut neuem SBEBK Gesetz und mehrfacher Rückversicherung beim Ministerium für Bildung und Kultur werden Erzieher:innen mit staatlicher Anerkennung vom Ministerium als Leitungen anerkannt. 

Allerdings dürfen die Träger eigene Kriterien festlegen. Deshalb haben wir bei den Trägern im Saarland eine Umfrage gestartet um zu erfahren, welche Qualifikationen von Bewerber:innen erwartet werden, die sich für eine Leitungsstelle bewerben. 
Leider haben uns nicht alle Träger geantwortet, hier jedoch die Ergebnisse der Umfrage, die uns bisher vorliegen:

AWO Saarland - Es werden staatlich anerkannte Erzieher:innen eingestellt und die AWO unterstützt Weiterbildungswünsche der Mitarbeiter. 

Stadt Merzig - Staatlich anerkannte Erzieher:innen werden eingestellt, sie müssen allerdings eine Qualifikation nicht weniger als den Sozialwirt erwerben. Während des Studiums werden die Mitarbeiter finanziell und durch Freistellung unterstützt. 

Stadt Saarbrücken - Es werden staatlich anerkannte Erzieher:innen akzeptiert, wenn diese sich verpflichten, innerhalb von 5 Jahren ein Studium zu absolvieren. 

KiTa GGmbH - Es werden nur Bewerber:innen mit Studium akzeptiert.  

Stellungnahme: Gesetzesentwurf der Regierung des Saarlandes - Saarländisches Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsgesetz

 (SBEBG) Drucksache 16/1835 10.11.2021
 
Die umfassende Stellungnahme findet ihr als Download über den Button.

Unser Fazit

Dieses neue SBEBG wird auf Jahre hinaus richtungsweisend sein. Es wird auf Jahre hinaus Gültigkeit haben und es wird auf Jahre hinaus nicht dazu beitragen, die Qualität in den saarländischen Kindertageseinrichtungen wesentlich zu verbessern.

Dieses Gesetzt zementiert, wie man sich auch künftig die Arbeit in Kitas vorstellt: viel zu viele Kinder, keine Verbesserung der Raumsituation, marginale Verbesserung des Personalschlüssels, keine wirkliche Inklusion.
 

Es wird zusätzlich die Aufweichung der Profession in Kauf genommen und Kinder werden nicht ausreichend gefördert werden können. 

Dieses Gesetz richtet sich nicht nach wissenschaftlichen Studien, die den Fachkraft-Kind-Schlüssel als einer der Schlüsselfaktoren für gute Qualität in Kitas erkannt haben. 

Laut Bertelsmann Studie hat das Saarland einer der schlechtesten Fachkraft-Kind-Schlüssel in den westlichen Bundesländern (vgl. Bock-Famulla 2021). 
Daran wird sich auch künftig nichts ändern. Es wird in der geplanten Form die Rahmenbedingungen in saarländische Kitas nicht wesentlich verbessern. 

Die Folgen davon sind absehbar und werden in den Grundschulen deutlich spürbar werden. 


Gezeichnet: 

Susanne Kunz, 1. Vorsitzende 
Susanna Schwarz-Urff, 2. Vorsitzende 
Verband der Kita-Fachkräfte Saar 

Begrüßungsschreiben an die  Bundesfamilienministerin Spiegel

 9. Dezember 2021

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Spiegel,
im letzten Jahr haben sich in verschiedenen Bundesländern Kita-Fachkräfteverbände gegründet, die sich für kindgerechte Rahmenbedingungen engagieren. Wir möchten Ihnen herzlich zu Ihrem Amt als Bundesfamilienministerin gratulieren und wünschen Ihnen für Ihre Arbeit alles Gute.

Mit Interesse haben wir die Pläne der Ampelkoalition für die frühkindliche Bildung zur Kenntnis genommen. Laut aktueller Veröffentlichung des Ländermonitors der frühkindlichen Bildungssysteme (Bertelsmann Stiftung) haben 73% aller Kita-Kinder in Deutschland keine kindgerechten Bedingungen ihrer Einrichtung. Fachleute aus Wissenschaft und Fachpraxis bemängeln seit Jahren die nicht kindgerechte Qualität in unseren Kitas und weisen regelmäßig auf Mindestanforderungen für kindgerechte Personalschlüssel und Gruppengrößen hin. Kein Bundesland erfüllt diese Mindeststandards, auch wenn es in einigen Ländern noch schlechter aussieht als in anderen.

Dazu kommt ein seit Jahren zunehmender Fachkräftemangel. Daher begrüßen die Kita-Fachkräfteverbände ausdrücklich die von Ihnen angedachte Reform der Erzieher*innenausbildung hin zu einer praxisintegrierten, vergüteten Ausbildung. Auch ein Bundesqualitätsgesetz, das Betreuungsschlüssel nach den Mindeststandards der Fachleute an eine gute pädagogische Qualität vorsieht, ist in unserem Sinne. Kinderbetreuung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ein gleichberechtigtes modernes Arbeits- und Familienleben ist nur mit einer verlässlichen Kinderbetreuung möglich.

Weil Kinder die Zukunft unserer Gesellschaft sind, müssen alle gemeinsam dafür sorgen, dass Kitas Lebensorte werden, die Chancengleichheit, gute Entwicklungsmöglichkeiten und hohe frühkindliche Bildungsqualität gewährleisten. Wir freuen uns, dass Sie auch den Bund in der Verantwortung für eine gute frühkindliche Bildung sehen und hoffen, dass unsere Kinder in Zukunft bessere Bedingungen in ihren Einrichtungen vorfinden werden. In unseren Verbänden organisieren sich vor allem Fachkräfte, die in der täglichen Kita-Praxis stehen.

Als Ansprechpartner*innen stehen wir Ihnen und Ihrem Ministerium gern zur Verfügung. Wir wünschen uns, dass nicht für Kitas und Fachkräfte Politik gemacht wird, sondern mit den Einrichtungen und den Kita-Fachkräften. Über ein persönliches Gespräch zur Situation der Kita-Fachkräfte würde wir uns freuen.

i. V. Für die Kita-Fachkräfteverbände in Deutschland 
die Pressegruppe der Fachkräfteverbände

Podiumsdiskussion mit den Kinderrechte-Champions


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Brief an Herrn Meusel, bezüglich der aktuellen Zahnputzempfehlung des Jugendamts vom 30. 8. 2021

Sehr geehrter Herr Meusel!

 

Am 20.08.2021 haben Sie Empfehlungen, zur Mund-und Zahnhygiene in Pandemiezeiten, herausgegeben.

Nun möchten wir wissen, wie verbindlich die Empfehlung ist.

Wir hoffen, dass es lediglich eine Anregung sein soll, die auf freiwilliger Umsetzung basiert!

 

Ansonsten machen wir Sie drauf aufmerksam, dass wir diese Empfehlungen nicht für umsetzbar halten!

Schon unter den regulären Rahmenbedingungen, ohne die Sonderbelastung durch die Pandemie, ist Zähne putzen, aus unserer Sicht nicht möglich.

Die Kindertageseinrichtungen haben weder die personellen, noch die räumlichen Bedingungen, dies hygienisch und pädagogisch qualitativ umzusetzen.

 

Als Faustregel gilt, dass Kind erst richtig Zähneputzen können, wenn sie die Schreibschrift beherrschen. Daher müssen wir von einer individuellen Betreuung beim Zähneputzen ausgehen.

Wenn wir für ein Kind nur 2 Minuten veranschlagen, werden für 25 Kinder täglich 50 Minuten Betreuungszeit benötigt. Dabei sind die Zeiten für die Begleitung von und in die Gruppen und zur Desinfektion noch nicht berücksichtigt. Daher muss man für 25 Kinder als Mindestanforderung eine Stunde Betreuuungszeit pro Tag bei einmaligem Zähneputzen rechnen. Nehmen wir eine viergruppige Einrichtung mit 100 Kindern an, dann beläuft sich der Betreuungsaufwand auf minimal 20 Stunden pro Woche. Hinzu kommt der Aufwand für die Beschaffung neuer Becher und Zahnbürsten, was ebenfalls einen zusätzlichen Aufwand bedeutet. 

 

Die Becher und Zahnbürsten müssen in ausreichendem Abstand und hygienisch sicher aufbewahrt werden. Stehen die Becher in den Waschräumen, dann besteht eine große Wahrscheinlichkeit dass diese durch freie Aerosole beim Abspülen kontaminiert werden und es zu einer  großen Ansammlung von Fäkalbakterien und Viren auf den Zahnbürsten und in den Bechern kommt. Besonders, wenn eine ausreichende Trocknung nicht möglich ist. 

Für die Aufbewahrung von Bechern braucht es mit entsprechendem Sicherheitsabstand mindestens 10 cm² pro Becher. Das sind bei 100 Becher 10m² hygienisch einwandfreien Raum. Das wäre de facto ein eigener Raum für Becher.

 

Abgesehen davon, dass es in vielen Kindertageseinrichtungen nicht ausreichend Waschbecken gibt und ebenfalls nicht genügend Platz, um eine Zahnputzaktion durchzuführen.

 

Die Vorgabe, dass sich auch die Bezugsperson die Zähne putzt, ist für uns ein unhaltbarer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Fachkräfte.

 

Eine solche Empfehlung unter Pandemiebedingungen herauszugeben und damit eine weitere Belastung für die Fachkräfte zu befürworten, finden wir kontraproduktiv zu allen Inhalten unserer Gespräche und es zeigt uns, dass die Belastungssituation in den Einrichtungen immer noch nicht richtig erkannt wird.

 

Es kann nicht sein, dass Verantwortungen, die von anderen Gruppierungen (Eltern) nicht wahrgenommen wird, den Kindertageseinrichtungen angelastet werden.

 

Alternativideen zu den Empfehlungen

- Unterstützung von Fachpersonal aus zahnärztlichen Praxen, welches in regelmäßigen Abständen kommt und mit den Kindern das Zähneputzen übt und zeitgleich neue Bürsten und Becher kostenneutral mitbringt. Diese Zahnbürsten und Becher nehmen die Kinder mit nach Hause, so dass dort sichergestellt ist, dass Becher und Zahnbürste vorhanden ist.

 

- Elternveranstaltungen zum Thema mit Fachpersonal wären eine weitere Alternative.

 

- Broschüren in verschiedenen Sprachen, die auf die Wichtigkeit einer guten Zahnprophylaxe und die richtige Unterstützung beim altergerechten Zähneputzen hinweist und erklärt, könnten bereits bei Geburt eines Kindes an die Familien verteilt werden.

 

- Projekte zu Zahngesundheit mit zahnmedizinischem Fachpersonal.

 

- Es wird ein Verfahren eingeführt für eine regelmäßige Kontrolle analog zu den U-Untersuchungen in den Praxen.

 

Abschließend möchten wir noch darauf hinweisen, dass es aktuell brennendere Themen gibt, als das Zähneputzen.

 

Wir bitte Sie unsere Anregungen anzunehmen und von einer Verbindlichkeit der Umsetzung der Empfehlungen Abstand zu nehmen.

 

Da Ihnen dieses Thema aber ein großes Anliegen ist und wir ebenfalls Gesundheitsförderung als Ziel haben, sind wir gerne bereit gemeinsam mit Ihnen zum Thema Zahngesundheit in den Austausch zu gehen.

 

Im Namen der Vorstands ,

mit freundlichen Grüßen,

Susanna Schwarz-Urff 

Bundesweites Meeting mit Frau Bock-Farmulla von der Bertelsmann Stiftung


Am 27.08.2021 fand anlässlich des „Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2021“ und des „Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule 2021“ ein Treffen zwischen den Kita-Fachkräfteverbänden der Länder und Fr. Bock-Famulla von der Bertelsmann Stiftung statt.

Frau Bock-Famulla stellte die Ergebnisse der Studien vor und betonte vor allem die Unterschiede zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern.
Inhalt war unter anderem der frühe Zugang zu Bildung und die Förderung der Chancengerechtigkeit, sowie die ganzheitliche Förderung.

Der erstmals veröffentlichte Fachkräfteradar hat zum Ziel, eine Grundlage für kindgerechte Personalschlüssel zu schaffen und die ungleichen Bedingungen der Kinder in den verschiedenen Bundesländern aufzuzeigen.

Der Bertelsmann Stiftung ist es wichtig, die Personalschlüssel zu nutzen, statt der Fachkraft-Kind-Relation, da ansonsten Ausfallzeiten und mittelbare Arbeit nicht sichtbar wird. Trotzdem sind tatsächliche Vor-/Nachbereitungszeit und Ausfallzeiten nur hypothetisch bestimmbar.
Hierzu erklärte sie, dass die Daten für den Ländermonitor aus der amtlichen Statistik der Kindertagesbetreuung (KJH-Statistik) und aus weiteren amtlichen Statistiken kommen.

Es ließe sich dennoch feststellen, dass alle Bundesländer von wissenschaftlichen Standards noch weit entfernt seien.

Frau Bock-Famulla betonte, wie wichtig es ist, mit der Praxis in den Austausch zu gehen sowie die Bedeutung der Fachkräfteverbände. Sie machte mehrmals deutlich, dass sie offen für Gespräche und Zusammenarbeit mit den Verbänden ist und wies zudem auf die Veröffentlichung der Fachkräftebefragung „FachkräfteZOOM“ hin, die darstellt, dass Bildungsarbeit in Kitas oft nicht möglich ist.