Stellungnahmen

Auf dieser Seite könnt ihr unsere neusten Aktivitäten nachlesen. Hier findet ihr Stellungnahmen, Positionspapiere und Briefe an die Politik,  zu aktuellen Themen aus dem Alltag einer Kita-Fachkraft.

Unsere Reaktion auf das Antwortschreiben des VKA (eine Kooperation der Kita-Fachkräfteverbände in Deutschland)

Sehr geehrter Herr Benrath,
sehr geehrte Mitglieder der Tarifkommission des VKA,


vielen Dank für Ihr Antwortschreiben, dass uns allerdings ratlos und resigniert zurücklässt. 

Unser Kita-System hat gewaltige Probleme. Es geht nicht um ewig nörgelnde Erzieher*innen, denen man nur verbal über den Kopf streicheln muss, damit sie sich hoffentlich wieder schnell beruhigen. Wenn Sie in Ihrem Schreiben sagen, dass Erzieher*innen qualitativ hochwertige Arbeit im Sinne einer guten frühkindlichen Bildung machen, müssen viele von uns Ihnen deutlich widersprechen. Die Rahmenbedingungen in unseren Kitas liegen weitab von den fachlichen Mindestanforderungen an eine gute pädagogische Qualität und einen kindgerechten Kita-Alltag. 
Weil wir unserem Bildungsauftrag nicht mehr gerecht werden, gezielte Förderung, aber auch bedürfnisorientierte Betreuung und ein guter kindgerechter Alltag vielerorts nicht mehr realisierbar sind, haben wir als Leute aus der täglichen Praxis Kita-Fachkräfteverbände gegründet. Wir hoffen, dass Sie uns erneut antworten und zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit den Problemen des Kita-Systems bereit sind. Gern stehen wir Ihnen dafür auch in einem Onlinemeeting zur Verfügung. 

Der ganze Text und unsere Fragen als PDF:

Tarifrunde 2022 im Sozial- und Erziehungsdienst: Antwort der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände

Der Verband der kommunalen Arbeitgeber hat auf unser Schreiben geantwortet. Leider wird auf unsere Argumente kaum eingegangen. Es wird uns beigepflichtet, dass frühkindliche Bildung und gute Betreuung sehr wichtig sind. Trotzdem wird keine Notwendigkeit gesehen, sich für einen kindgerechten Kita-Alltag nach fachlichen Mindestanforderungen zu engagieren. Es werden die Kostensteigerungen der letzten Jahre vorgerechnet, die allein dem quantitativen Ausbau der Kita-Betreuung und auch den gestiegenen Erziehergehältern geschuldet sind. Dass unsere Kitas zu Verwahranstalten verkommen, in denen gute frühkindliche Bildung, Förderung und bedürfnisorientierte Betreuung nur noch rudimentär möglich sind, wird von den kommunalen Arbeitgebern ignoriert. Das Antwortschreiben geht mit keinem Wort auf ein zentrales Anliegen der Kita-Fachkräfteverbände ein, nämlich die dringend benötigten Vor- und Nachbereitungszeiten, die außerhalb der unmittelbaren Betreuungszeiten liegen müssen!

Das Schreiben betont, „dass Erzieherinnen und Erzieher qualitativ hochwertige Arbeit leisten, die eine große Bedeutung für die frühkindliche Bildung hat.“ Viele Erzieher*innen können dem mittlerweile nicht mehr beipflichten. Sie wollen qualitativ hochwertige Arbeit leisten, was unter den aktuellen Rahmenbedingungen aber kaum möglich ist. Verbindliche Verfügungszeiten wären ein Schritt hin zu mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung. Wir hoffen inständig, dass die kommunalen Arbeitgeber in der kommenden Verhandlungsrunde ein Einsehen haben, dass dem quantitativen Ausbau der letzten Jahre qualitative Verbesserungen folgen müssen. 

Brief an die Vereinigung kommunaler Arbeitgeber


Sehr geehrte Frau Welge, sehr geehrter Herr Benrath, sehr geehrte Mitglieder der Verhandlungskommission der kommunalen Arbeitgeber,


zu Ihrer Stellungnahme bezüglich der Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst 2022 möchten wir als Kita-Fachkräfteverbände aus den Bundesländern, deren Mitglieder direkt aus der Kita-Praxis kommen, Stellung beziehen. 
Wir unterstützen die gewerkschaftlichen Forderungen vorbehaltlos, insbesondere wenn es um die dringend notwenigen Verbesserung der Arbeit- und Rahmenbedingungen in unseren Kitas geht.

http://tarifrunde-sozial-und-erziehungsdienst.vka.de/fileadmin/SuE/PDFs_zum_Download/220216_Flyer_SuE-Der_kommunale_SuE_final.pdf?_=1645806840

http://tarifrunde-sozial-und-erziehungsdienst.vka.de/fileadmin/SuE/PDFs_zum_Download/220216_Flyer_SuE-Beschaeftigtenstruktur.pdf?_=1645697

[...] 

Der komplette Text als PDF:

Pressemitteilung

Eine Protestwelle zieht durch die Kitas. Was zunächst in NRW eindrucksvoll begann, zieht nun auch Kreise durch weitere Bundesländer. Denn auch dort haben sich die Kitafachkräfteverbände dem Protest angeschlossen und rufen die pädagogischen Fachkräfte dazu auf, sich zu beteiligen. Zeitgleich hat auch Ver.di zu solch einer Aktion aufgerufen. Wenn Gewerkschaften, KitaFachkräfteverbände oder weitere Aktivist:Innen auf die gleichen Missstände hinweisen, begreift die Politik hoffentlich, dass nicht nur ein bestimmtes Klientel oder immer die Gleichen Kritik üben, sondern die Praxis vor Ort gemeinsam um Hilfe ruft und nicht mehr bereit ist so weiterzumachen. Unter dem Hashtag #kitasamlimit, #esreicht und #unsglangts (in Bayern) protestiert seitdem das Personal aus den Kitas. Sie sind am Limit und es ist kein Ende in Sicht. Sowohl die Personalsituation, als auch die schlechten Rahmenbedingungen, auf die immer wieder aufmerksam gemacht wird, führen unter den Kita-Fachkräften zu Frust und Ärger. Die Pandemie tut ihr Übriges, indem sie den Krankenstand in die Höhe treibt und die Gesundheit von Kindern, Personal und Familien bedroht. Im Januar diesen Jahres legte die Agentur für Arbeit(1) beeindruckende Zahlen vor: auf 100 freie Stellen kommen nur noch 79 Fachkräfte. Im Jahr 2010 waren es noch 253 Fachkräfte. Immer mehr Fachkräfte verlassen ihren Beruf und orientieren sich neu. Der Fachkräftemangel verstärkt sich weiter! Mit der Aktion #kitasamlimit wollen wir, über die einzelnen Bundeslandgrenzen hinaus, auf die Bedingungen in den Kitas aufmerksam machen. Wir wollen den Kindern wieder eine verlässliche Betreuung und Bildung anbieten. Der Wert der frühkindlichen Erziehung, Bildung und Betreuung dürfen der Pandemie, den schlechten Rahmenbedingungen und einem realitätsfernen Personalberechnungsschlüssel nicht zum Opfer fallen. Kitas sind keine „Aufbewahrungsstätte“ für Kinder. Wir unterstützen Kinder in ihrem Handeln und legen den Grundstein für ihren weiteren Werdegang. Wir sind eine Bildungsstätte und das Sprachrohr der Kinder. Wir wollen mit ihnen lachen und Spaß haben, auf ihre Bedürfnisse eingehen und ihre Individualität sehen. Wir wollen Kinderrechte sichern und ein Schutzhaus für die Kleinsten sein. Doch es fehlt an Kapazität, es fehlt die Zeit, das Personal und inzwischen die Kraft. Die Leitungen in den Kitas versinken in der Bürokratie und haben kaum noch die Chance sich um pädagogische Aufgaben zu kümmern. Die gesunden Fachkräfte in den Gruppen fangen die Krankheitswelle auf, arbeiten teilweise alleine mit bis zu 25 Kindern und verletzen damit regelmäßig die Aufsichtspflicht. Unserem Bildungsauftrag und einer bedürfnisorientierten Betreuung können wir immer weniger nachkommen. Von fachgerechter Dokumentation und individueller Förderung ist schon lange keine Rede mehr. Individuelle Förderung und fachliche Dokumentation müssen sich seit Beginn dieser Pandemie stets der fortan priorisierten Betreuung aller Kinder - koste es was es wolle - unterordnen. Immer mehr Gruppen müssen geschlossen werden, da vermehrt das Personal erkrankt, aufgibt oder Stellen gar nicht erst besetzt sind. So geht es nicht mehr weiter!   

Gez., die Kita-Fachkräfteverbände der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen/Bremen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen/Sachsen-Anhalt , Berlin, Bayern, Hessen und Saarland

(1) https://www.fachkraeftebarometer.de/zahl-des-monats 

Brandbrief:


„Kitas werden durchseucht - Gesundheit von Fachkräften und Kindern wird auf‘s Spiel gesetzt!“


Zurzeit steigen die Corona- Zahlen bundesweit immens an, 

besonders betroffen davon sind Kitas!

Geradezu explosionsartig steigen in Kitas die Zahlen Infizierter in die Höhe. Es gibt fast keine Einrichtung mehr, die nicht von immer neuen Fällen betroffen ist. 

Die ab 25.01.2022 geltenden Quarantäne-Regelungen im Saarland besagen, dass keine Gruppen mehr in Quarantäne geschickt werden, unabhängig davon wieviel Kinder erkrankt sind.

In den Kitas sind fast alle Kinder ungeimpft, tragen keine Masken und können natürlich keinen Abstand halten.

Deshalb werden die neuen Regelungen zwangsläufig dazu führen, dass die Infektionsketten in betroffenen Gruppen nicht mehr unterbrochen werden und sich mehr Fachkräfte und Kinder in viel kürzerer Zeit als bislang infizieren. 

Die Verantwortlichen nehmen damit billigend in Kauf, dass viele Fachkräfte und Kinder erkranken und Kitas regelrecht durchseucht werden. Nicht selten infizieren Fachkräfte und Kinder danach auch ihr häusliches Umfeld.

Es erreichen uns immer mehr Meldungen aus dem gesamten Saarland, dass Fachkräfte ausfallen und mitunter wochenlang erkranken, obwohl sie geimpft und geboostert sind. 

Bei den Fachkräften geht die Angst um. So gerne sie ihren Beruf auch ausüben, ärgern sie sich jetzt besonders über den Opportunismus von Politikern, die vor einer Landtags-Wahl keine unbequemen Entscheidungen mehr treffen wollen.

"Ich fühle mich wie eine Ratte in einem Versuchslabor", meinte kürzlich ein*e Erzieher*in.

Die neuen Quarantäne-Regelungen haben zur Folge, dass die Infektionsketten in den Kitas nicht mehr unterbrochen werden. Die nun getroffene Regelung führt auch zu der Situation, dass mit zweierlei Maß gemessen wird: Spielen 2 Kinder zusammen zu Hause, von denen eines im Anschluss positiv getestet wird, müssen beide in Absonderung, weil der Kontakt im häuslichen Umfeld stattgefunden hat. Spielen genau dieselben Kinder im Kindergarten zusammen, muss nur das positiv getestete Kind in Isolation. Das andere Kind darf getestet kommen.

Fachkräfte und Kinder sind dieser Willkür vollkommen ausgeliefert.

Die Folge davon wird sein, dass einzelne Gruppen oder auch ganze Kitas vorübergehende schließen werden, weil Personal fehlt. Das dann noch vorhandene Personal muss alles stemmen: Hygieneregeln umsetzen, Lüftungsprotokolle schreiben, Desinfizieren, Concierge- Lösungen anbieten, die Öffnungszeiten halten, die Aufsicht gewährleisten und natürlich noch testen, testen, testen.
Nicht zu vergessen, natürlich nebenbei noch Bildungsarbeit leisten, Französisch sprechen, gesundes Essen anbieten, Kooperationen am Laufen halten,… 

„Dass dies noch lange funktioniert, können doch selbst realitätsferne Politiker nicht glauben“, so die Meinung von Fachkräften.


Da ist es auch kein Trost mehr, dass inzwischen Long-Covid bei Fachkräften als Berufskrankheit anerkannt wird! Natürlich musste auch dies zuerst einmal erkämpft werden!


Gez. Verband der Kita – Fachkräfte Saar e.V.

Achtung: Testzentrum Kita! -Bildung muss leider draußen bleiben!

Zum Artikel: Test-Lücke für Vorschul-Kinder 

 
Die Kita-Fachkräfte schlagen Alarm!
Schon jetzt stöhnen die Kitas:  volle Öffnungszeiten, Hygieneauflagen, Trennung von Gruppen, besondere Essens- und Schlafsituationen, immer mehr Bestimmungen und Auflagen.
Für die eigentliche Arbeit mit Kindern wird die Zeit immer weniger.
Das Corona-Regel-Regime wie es ab 01.11. in Kitas umgesetzt werden soll, während in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens die Maßnahmen zurückgefahren werden, stößt bei vielen Fachkräften auf großes Unverständnis!

Wieso müssen wir immer noch Gruppen trennen, wenn Kinder in Turnvereinen zusammen spielen oder Martinsumzüge mit unbegrenzter Anzahl stattfinden dürfen?

Frau Bachmann unterliegt offensichtlich einer Machbarkeitsillusion, wenn Sie annimmt, dass Testzentren im öffentlichen Raum geschlossen werden können, damit sie dann in Kitas eröffnet werden.

Hintergrund: In einer Mail vom 15.10. wurden die Kitas und Träger angeschrieben, dass ab dem 01.11. auch in Kitas getestet werden soll. Mit diesem Testregime, welches nun in Kitas durchgeführt werden soll, wird klar, dass Frau Bachmann offensichtlich über die Aufgaben die Fachkräfte Tag für Tag in Kitas leisten, nicht viel weiß.

Sowohl Elternvertreter, wie auch Trägervertreter und auch der Verband der Kita-Fachkräfte Saar haben im Vorfeld eindringlich davor gewarnt, diese Aufgabe Kitas aufzubürden. Doch diese Bedenken wurden zum großen Teil ignoriert.

Schon jetzt müssen Fachkräfte zahlreiche Hygiene-Aufgaben außerhalb ihrer eigentlichen Kernaufgaben durchführen.
Hinzu kommen beispielsweise:

Concierge-Lösung: Die Eltern sollen die Kitas nicht betreten, sie müssen klingeln und eine Fachkraft holt das Kind an der Tür ab und bringt es nachmittags auch wieder fertig angezogen zur Tür!

Gruppentrennungen: Dies bedeutet, dass beispielsweise in Randzeiten mehr Personal vorhanden sein muss, damit diese Auflage erfüllt werden kann. Man hat dies zwar nun etwas gelockert, indem nun 2 oder 3 Gruppen zusammengefasst werden können, aber dies hebt den immer noch bestehenden Mehraufwand in keiner Weise auf. 
Schwierig, wenn bei 10 Stunden Öffnungszeit 7:00 – 17:00 Uhr eine Gruppe nur mit einer Person (7:48 Tagesarbeitsstunden bei Vollzeit )besetzt ist, weil die Kollegin beispielsweise krank ist oder Urlaub hat und eine andere Kollegin aber nur 3:54 Std. mitarbeitet. 

Eine Fachkraft kann nicht gleichzeitig Kinder entgegennehmen, Kinder beim Frühstück begleiten und parallel noch die Restgruppe beaufsichtigen, von Begleitung auf Toilette, Windeln, Schlafen ganz abgesehen! Spielen? Lernen? Dies bedeutet, dass ein Teil der Kindergruppe ständig unbeaufsichtigt ist, Kinder sich selbst überlassen werden, der Stresspegel für die Fachkräfte ständig steigt, weil sie wissen, dass sie so ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen und vor allem den Kindern nicht gerecht werden können. 

Durch die Empfehlungen zur Gruppentrennung sind Synergieeffekte zwischen den Gruppen nur eingeschränkt möglich. 

Viel zu lange wurde der zu niedrige Fachkraft-Kind Schlüssel ignoriert, genauso wie der Fachkräftemangel. 

Die Kitas waren schon vor Corona am Anschlag und nun kommen durch die Corona-Auflagen immer mehr fachfremde Aufgaben auf die Fachkräfte zu!
 

Wenn Kitas vom Ministerium von Frau Bachmann nur noch zu Aufbewahrungsstätten und Testzentren degradiert werden, muss man sich nicht wundern, dass Fachkräften die Zeit mit den Kindern fehlt. Zeit für Bedürfnisse der Kinder, für ihre Entwicklung, Zeit um ihnen Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln, Zeit um ihnen in Ruhe ein Buch vorzulesen, Zeit um für sie da zu sein, um sie zu begleiten und zu unterstützen. Dies sind die eigentlichen Aufgaben der Fachkräfte!

Die Testung auf Corona gehört definitiv nicht dazu!

Der Verband der Kita- Fachkräfte kann nicht nachvollziehen, wieso hier ganz offensichtlich von Seiten des Ministeriums, Eltern Misstrauen entgegengebracht wird. Geradezu lächerlich mutet es an, dass nun ausgerechnet den Kitas die Lolli-Tests vom Ministerium zu Verfügung gestellt werden, die keine Laienzulassung mehr haben, obwohl diese Tests in der Handhabung einfacher sind. Eltern werden für zu Hause nur Nasaltests zu Verfügung gestellt, die bislang nur unter Aufsicht von Personen durchgeführt werden durften, die dafür geschult waren. 

Offensichtlich sollen so für Eltern zusätzliche Hürden aufgebaut werden, damit in den Kitas das gewünschte Testregime erfolgen kann. 

Dazu passt auch die Aussage des Ministeriums in dem am Samstag veröffentlichten Zeitungsartikel: „Testlücke für Vorschul-Kinder“. Hier soll offensichtlich zusätzlich Druck über die Eltern auf die Kitas ausgeübt werden, indem jetzt auch noch Test-Zertifikate für Kinder ausgestellt werden müssen. Hiervon war allerdings im Schreiben am 15.10. an Träger und Kitas nie die Rede! 

In anderen Bundesländern, gibt es Lolli-Tests mit Laienzulassung. Wieso hat man nicht diese eingekauft oder bestellt? Im Gegensatz zu Schulen, in denen medizinisches Fachpersonal für Testungen zu Verfügung steht, sollen in den Kitas lediglich Unterstützungskräfte zur Verfügung stehen. Die Träger und Kitas müssen sich selbst darum kümmern. Die Organisation bleibt den Leitungen überlassen. Ein finanzieller Ausgleich für die Tests und die zusätzlichen Materialien, wie sie Apotheken und Ärzte bekommen, ist auch nicht vorgesehen. 
Das Gesundheitsministerium forciert in seinen Schreiben bewusst die Testung in Kitas durch die Fachkräfte, die lediglich durch das verlinkte Video geschult werden. Auch Eltern sind in der Lage sich ein Video anzuschauen. 

Klar ist, dass die Testungen in Kitas mit der im Video beschriebenen Vorgehensweise nicht umzusetzen sind, weder zeitlich, noch räumlich noch personell. 

Die Verantwortung für das Testregime wird den Fachkräften vom Ministerium dennoch aufgebürdet!
Durch das Ausstellen der Zertifikate würden die Fachkräfte nun auch noch die Verantwortung für die Sicherheit der Menschen in den Veranstaltungen übernehmen, die die Kinder mit diesem Zertifikat besuchen dürfen. Inwieweit dies mit dem Arbeitsrecht zu vereinbaren ist, wird zu klären sein.
 
Auch Personalräte sind aufgerufen hier ihre Belegschaften zu schützen. Die Arbeitsplatzbeschreibungen von Kita-Personal sehen diese Aufgaben mit Sicherheit nicht vor.

Vielen Fachkräften schnürt es mittlerweile die Kehle zu, immer mehr überlegen auszusteigen aus ihrem Beruf und damit aus diesem Hamsterrad der frühkindlichen Ignoranz und der Beratungs- Resistenz von Politikern*innen. 

Kita-Fachkräfteverbände* warnen: Zu wenig Personal in den Kitas!

Politik muss in der neuen Legislaturperiode endlich handeln!


Berlin In vielen Kitas und Horten fehlen pädagogische Fachkräfte. Die Landesverbände der pädagogischen Fachkräfte warnen, dass für ein kindgerechtes Bildungsangebot in Kitas rd. 100.000 Fachkräfte fehlen. Diese Entwicklung wird sich bis 2030 unter Berücksichtigung der aktuellen Berechnungen der Bertelsmann Stiftung ohne politische Maßnahmen in ganz Deutschland nicht entspannen. Der Anteil der nicht kindgerechten Betreuung liegt derzeit bundesweit bei rd. 73%. In dieser abstrakten Zahl kommt aber neben einer problematischen Betreuungssituation auch die starke Belastung des pädagogischen Personals zum Ausdruck. Oft müssen Erzieherinnen Tage- z. T. wochenlang allein Kindergruppen von 15 und mehr Kinder betreuen, was physisch und psychisch stark belastend sowie haftungsrechtlich problematisch ist. Im Ergebnis führt das u. a. zu einem hohen Krankenstand, einer hohen Fluktuation, der Reduzierung der Arbeitszeit oder eben auch in letzter Konsequenz zur Kündigung; ein weiterer Grund für die schwierige Situation sind auch die bescheidenen Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten. 

Die Situation wird zudem noch dadurch verschärft, dass zwar der Kitaausbau politisch forciert wird, die Ausbildung und Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte aber hinterherhinkt. Mit dem aktuell beschlossenen Gesetz zur Förderung der Ganztagsbetreuung von Kindern im Grundschulalter werden zwar 7,5 Mrd. Euro für Investitionen bereitgestellt, die Förderung einer begleitenden Fachkräfteoffensive ist aber nicht vorgesehen. Ebenso hat das sog. „Gute Kita Gesetz“ kaum eine Wirkung entfaltet, da die 5,5 Mrd. Euro überwiegend einer Beitragsentlastung der Eltern dienten, aber die Qualität des frühkindlichen Bildungsangebotes nur punktuell gefördert wurde. Für die kommende Legislaturperiode sollte deshalb weniger auf öffentlichkeitswirksame Beitragsentlastungen geschaut werden, sondern die Qualität der frühkindlichen Bildung und eine wirksame Fachkräfteoffensive müssen im Mittelpunkt stehen. Ansonsten wird auch der Anspruch auf eine gute Ganztagesbetreuung von Kindern im Grundschulalter kaum gewährleistet werden können. 

„Es kommt nun darauf an, dass endlich die richtigen Schlussfolgerungen durch die Politik gezogen werden, denn ansonsten laufen wir in eine katastrophale Betreuungssituation hinein“, so Claudia Theobald, Vorstandsvorsitzende Rheinland-Pfalz, für alle Kita-Fachkräfteverbände.

Die „jungen“ Kita-Fachkräfteverbände in den Bundesländern haben zum ersten Mal gemeinsam ein Positionspapier verfasst. Hierin werden die wichtigsten Ziele der nächsten Jahre zur Stärkung der frühkindlichen Bildung formuliert. Bis Ende 2025 sollte insbesondere der Personalmangel endlich behoben werden. Voraussetzung dafür muss es sein, dass Bund und Länder dies auch als gemeinsame Aufgabe begreifen und zügig an die Umsetzung gehen. 


Claudia Theobald, Rheinland-Pfalz, info@kitafachkraefteverband-rlp.de

Pascal Kaiser, Berlin, network@erzieherverband.de


*Berufsverbände der Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen in Kitas und Horten haben sich mittlerweile in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen i.G., Niedersachsen-Bremen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen/Sachsen-Anhalt und Thüringen gegründet. 

Brief an die saarländische Landesregierung und die Bundespressestelle der Kanzlerin

zur Umsetzung des neuen Infektionsschutzgesetzes im Saarland ab dem 26.4.2021

Mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes tritt ab  Samstag  eine bundeseinheitliche „Notbremse“ in Kraft.

Dieses Gesetz soll mit dazu beitragen, Kontakte zu reduzieren und das Infektionsgeschehen einzudämmen.
Unter anderem ist darin vorgesehen, dass in Kindertageseinrichtungen ab einer Inzidenz von 165 der Regelbetrieb untersagt wird. Stattdessen kann ein Notbetrieb etabliert werden.

Mit der Maßnahme des Regionalverbandes Saarbrücken, es lediglich bei einem Appell an die Eltern zu belassen, ihr Kind zu Hause zu betreuen, wird unseres Erachtens dieses Bundes-Gesetz unterwandert und ausgehöhlt.
Es ist zu befürchten, dass es zu einer sehr hohen Auslastung in den Kitas kommen wird. Ein Schutz von Kindern und Kita-Fachkräften kann so nicht gewährleistet, Kontakte nicht reduziert und das Infektionsgeschehen so zumindest nicht bei Kindern bis 6 Jahren eingedämmt werden.
Wir sehen hier das Wohl von Kindern und Kita-Fachkräften gefährdet!

Aus diesem Grund fordern wir für den Fall des Notbetriebes klare und transparente Regeln, die von Kita-Fachkräften umsetzbar sind und Eltern Orientierung bieten.

Klare Definition für den Anspruch auf Notbetreuung:

  • Beide Eltern arbeiten in systemrelevanten Berufen und/oder sind unabkömmlich. Der Arbeitgeber muss dies bescheinigen. Ein Antrag für die Notbetreuung muss bei der Kommune gestellt und von dieser bewilligt werden. Analog hierzu ist natürlich auch Alleinerziehenden eine Notbetreuung anzubieten.


  • Bei Kindeswohlgefährdung und bei Familien mit einem Nachweis über sonstige schwerwiegende Gründe, ist ebenfalls eine Notbetreuung zu gewährleisten. 


Auszugehen ist hier von einer angepassten Quadratmeterzahl, im Innenraum, pro Kind von max. 5 Kindern pro Gruppe. Dies wurde am 30.11.2020 vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie so per Mail an alle Saarländischen Kindertageseinrichtungen als Handlungsempfehlung versendet.

Des Weiteren halten wir eine Teststrategie für Kitakinder, beispielsweise eine Pooltestung mit Spucktests für geeignet, damit das Infektionsgeschehen überhaupt erfasst werden kann.

Lediglich einen Appell an die Eltern zu richten und die Kita-Fachkräfte vor Ort damit alleine zu lassen, halten wir nicht nur für unmoralisch, sondern auch für nicht vereinbar mit dem jetzigen Infektionsschutzgesetz.

Stellungnahme


Geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes

Stellungnahme vom 16. April 2021

Der Verband der Kita-Fachkräfte Saar begrüßt bei hohen Inzidenzen in einem Landkreis einen einheitliche bundesweite Reglung zu Öffnungen und Schließungen von Kindertageseinrichtungen durch das Infektionsschutzgesetz. 
Dies dient dazu Kontakte und damit auch Infektionen einzudämmen und schafft mehr Klarheit für alle Beteiligte - Eltern, Kinder und Fachkräfte. 

Die Infektionszahlen sind laut einer RKI Studie in Kindertageseinrichtungen seit Mitte Februar um das Vierfache gestiegen. Die Anzahl der Infizierten im Alter zwischen 0-15 Jahren übertrifft inzwischen die aller anderen Altersstufen. 
Anders als in Schulen können in Kitas zwischen Kindern und Fachkräften weder Abstände eingehalten noch Masken getragen werden. Es befinden sich jeden Tag sehr viele Personen (20-30 Kinder und Fachkräfte) über viele Stunden (6-8 Std) auf nicht mehr als 40-50 m².  
Zum Vergleich dazu ist in Geschäften nur eine Person pro 15m² zulässig. Dies entspräche in Kindergärten lediglich eine Zulassung bis zu max. 4 Personen pro Gruppenraum. 

Eine verbindlich geregelte Notbetreuung, welche von Eltern beim Jugendamt beantragt werden kann, halten wir für zwingend notwendig, um das Infektionsgeschehen in den Kitas in den Griff zu bekommen. Während des 1. Lockdowns wurden damit gute Erfahrungen gemacht. 
Die Notbetreuung müsste mit einer Auslastungsobergrenze von max. 5 Kindern pro Gruppe versehen werden. 

Der Vorstand